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Steinzeit
 

Paläolithikum
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Altsteinzeit im Raum um Jülich und Düren

   
Unsere virtuelle Raum - Zeitreise fängt an. Als bekennende Biertrinker fahren wir vom Münchner Höfbräuhaus zum Cölner Hofbräu Früh, eine Strecke von 575 km.

Unter dem Begriff Altsteinzeit oder Paläolithikum versteht man den Zeitraum zwischen dem ersten Auftreten des Menschen vor etwa 2,5 Mio Jahren bis zum Ende der Eiszeit vor rund 11500 Jahren. Die ersten Zeugnisse menschlicher Besiedlung sind aus Ostafrika bekannt und von dort aus nahm der Siegeszug der Hominiden seinen Lauf. Vor etwa 1,5 Millionen Jahren erreichte der Homo erectus Europa.

Der Mensch hat Europa erreicht und auf unserem Tacho stehen schon 230 km. Wir sind in Franken, an der Aisch, wo es die guten Karpfen gibt und das leckere Bier.

Altpaläolithikum

Der bekannteste Vertreter der Gattung Homo erectus in Deutschland ist der Heidelberger Mensch, benannt nach der Fundstelle von Mauer bei Heidelberg. Der dort gefundene menschliche Unterkiefer wird auf ein Alter von 600000 Jahren datiert. Homo erectus beherrschte das Feuer und stellte Geräte aus Stein her. Waren die ersten Steinwerkzeuge noch einfacher Natur, hergestellt aus Geröllen oder Kieseln, so verfeinerte sich im Laufe des Altpaläolithikums die Kunst der Steinbearbeitung und es entstand mit dem Acheuléen, benannt nach dem Fundort Saint Acheul bei Amiens in Nordfrankreich, die erste Faustkeilindustrie im westlichen Mitteleuropa. Funde aus Bilzingsleben bei Erfurt, Knochen mit eingeritzen geometrischen Mustern, zeugen von der Fähigkeit der damaligen Menschen, abstrakt denken zu können. Mit dem Fund der Holzspeere von Schöningen in Niedersachsen gelang der Nachweis erster vollständiger Jagdwaffen in Deutschland. Mit einem Alter von rund 310000 Jahren stammen sie aus der Übergangszeit vom Alt- zum Mittelpaläolithikum
Nach meinem Kenntnisstand gibt es keine altpaläolithischen Funde aus der Düren - Jülicher Gegend.

506 km auf der Uhr, Hessen liegt hinter uns, gerade haben wir das Dernbacher Dreieck passiert

Mittelpaläolithikum

Etwa vor 300000 Jahren begann in unserer Region die mittlere Altsteinzeit, die Zeit der Prä-Neandertaler und Neandertaler. Aus der Zeit sind Kompositgeräte, also geschäftete Steinwerkzeuge bekannt. In der Verbindungstechnik wurde als Klebstoff Birkenpech, ein Destillat aus Birkenrinde verwendet. Älteste Funde dieses ersten Kunststoffes stammen aus Königsaue bei Aschersleben, ihr Alter beträgt rund 45000 Jahre. In der Technik der Steinbearbeitung hatte es beträchliche Fortschritte gegeben. Ausgangsprodukte für die Geräteherstellung waren jetzt überwiegend präparierte Kernsteine. Es wurden Standards entwickelt, die über das gesamte Mittelpaläolithikum Gültigkeit behalten sollten. Als Beispiel sei die Levallois-Technik genannt, eine spezielle Methode der Kernpräparation zur Abschlag-, Klingen- und Spitzenherstellung. Allein anhand der Morphologie ist es unmöglich festzustellen, ob die aus einem Levallois-Kern gewonnenen Produkte vor 300000 oder vor 40000 Jahren entstanden sind.

Neandertaler waren Großwildjäger. Je nach den klimatischen Verhältnissen gehörten Waldelefant, Mammut, Flußpferd, Nashorn oder Pferd zur Beute. Die bekanntesten mittelpaläolithischen Feuersteinindustrien sind das Micoquien und das Moustérien, beide benannt nach Fundorten in der südwestfranzöschischen Dordogne.
Man sollte sich den Neandertaler nicht als primitiven Urmenschen vorstellen. Das Gegenteil ist wohl der Fall. Es gab bereits Bestattungsriten. Von den bis heute bekannten 220 Neandertaler-Skelettresten stammen 35 eindeutig aus Gräbern. Verletzte Mitglieder der Gruppe wurden nicht im Stich gelassen, sondern gepflegt und das auch über einen längeren Zeitraum. Skelettfunde mit verheilten schweren Knochenbrüchen beweisen das.
Aus der mittleren Altsteinzeit sind rechts und links der Rur bei Jülich zahlreiche Artefakte gefunden worden. Die Fundstellen liegen häufig an landschaftlich exponierten Stellen, die man sich als Ansitz- oder Beobachtungsplätze bei der Jgad vorstellen kann. So hat der Sammler Willy Schol auf der Barmer Heide, einem schmalen Hochplateau zwischen Rur und Merzbach, über tausend mittelpaläolithische Fundstücke aufgelesen. Im Inventar kommen Faustkeile, blattförmige Schaber, einseitig retuschierte Schaber, präparierte Kernsteine und natürlich Abschläge vor. Einzelfunde von Fauskeilen sind aus Stockheim und Niederzier-Ellen bekannt. Auf den Flächen abseits der Fließgewässer sind mittelpaläolithische Funde eher selten.

Der Neandertaler lebt noch und wir haben schon die Stadtgrenze von Köln passiert, noch 9,8 km bis zum Früh.

Jung- und Spätpaläolithikum

Vor ungefähr 40000 Jahren trat wiederum ein radikaler Wandel im kulturellen Ausdrucksvermögen der europäischen Menschheit ein. Faustkeile und Levallois-Technik waren passée, Steinwerkzeuge wurden nun aus Klingen hergestellt, auch ist eine Vielzahl von Werkzeugen aus Knochen, Geweih und Elfenbein belegt. Der Mensch schuf die ersten Kunstwerke: Schmuckstücke, Kleinplastiken und Höhlenmalereien. Die hohe Qualität figürlicher Kunst zeigen eindrucksvoll die Plastiken aus den Höhlen der Schwäbischen Alb.
Man könnte versucht sein, diesen Umstand mit dem Auftauchen des modernen Menschen, des Homo sapiens sapiens erklären zu wollen, aber in den ersten 5000 Jahren des Jungpaläolithikums scheint der Neandertaler noch die Szene beherrscht zu haben, zumindest gibt es für diesen Zeitraum keine Skelettfunde anatomisch moderner Menschen in Deutschland.
Das Jungpaläolithikum beginnt in Europa mit dem Aurignacien, benannt nach dem ersten Hauptfundort, der Höhle von Aurignac im französischen Departement Haute-Garonne in den Pyrenäen. Typische Werkzeuge sind lange, schmale Klingen, teilweise mit abgestumpftem Rücken. Fundplätze befinden sich auch in der erweiterten Dürener Region: die Kartsteinhöhle bei Mechernich und die Freilandstation Lommersum. Das nachfolgende Gravettien, der eponyme Fundort ist ein Abri bei Bayac in der Dordogne, ist in der Region kaum vertreten. Typisch für diese Kulturstufe sind langschmale Spitzen, die auf einer Seite steil retuschiert und abgestumpft sind. Im andauernden Wechsel vom Warm- und Kaltzeiten setzte vor 28000 Jahren eine 10000-jährige Periode mit besonders kalten, lebensfeindlichen Bedingungen ein. Während dieser Weichsel/Würm - Eiszeit war das Rheinland vermutlich unbewohnt. Ab 13500 v. Chr. kann man aber von einer kontinuierlichen Besiedlung des Rheinlandes bis in die heutige Zeit ausgehen. Es begann das Magdalénien, die Zeit der Wildpferde- und Rentierjäger. Mit der Speerschleuder hatte man eine Distanzwaffe geschaffen, durch die eine Jagd auf hochmobiles Wild in freier Steppe erfolgversprechend ist. Typisch für das Gerätespektrum sind jetzt Kerbspitzen und Einsätze aus Klingenbruchstücken.
Als regionalen Megdalénien-Fundplatz möchte ich die im Jahre 1986 vom Jülicher Sammler Gustav-Adolf Hertel entdeckte Siedlungsstelle bei Geilenkirchen-Beeck erwähnen.
Auf das Magdalénien folgt als erste Kulturstufe des Spätpaläolithikums das Azilien bzw. die Federmessergruppen, deren Name sich von den für diese Zeit typischen federmesserartigen Pfeilspitzen mit gebogenem Rücken ableitet. Um 12500 v. Chr änderte sich das Klima erneut, es wurde wärmer und feuchter. Die Steppe verschwand und mit ihr die regelmäßig ziehenden Rentierherden. Die Jagd auf Standwild verlangte nach einer neuen Methode. Die Menschen lebten nun mobiler, auf Standwild wurde mit Pfeil und Bogen gejagt, Fischfang und das Sammeln von Wildfrüchten erlangten größere Bedeutung. Der Hund war domestiziert, der Doppelbestattung eines älteren Mannes und einer jungen Frau von Bonn-Oberkassel war ein Hund beigegeben.
Um 11000 v. Chr. brach der Laacher Vulkan aus. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß diese Katastrophe einschneidende Konsequenzen auch für die Bewohner der Jülich - Dürener Gegend hatte.
Es gibt nicht viele Fundplätze der Federmesser-Gruppen im Rheinland, um so bemerkenswerter ist ein Neufund von 2008. Bei Wesseling konnte ein außerordentlich umfangreicher Azilien-Siedlungsplatz ausgegraben werden. Durch Bestimmung des Rohmaterials der dort aufgefundenen Steinartefakte lassen sich die Wanderbewegungen und Aufenthaltsorte der damaligen Menschen genau nachvollziehen. Ein kleineres Fundinventar ist an den Katzensteinen bei Mechernich ausgegraben worden.
Die nächste Kälteeinbruch wurde durch das Eindringen gewaltiger Süßwassermengen aus dem nordamerikanischen Lake Agassiz und dem Baltischen Eisstausee in den Nordatlantik verursacht. Hierdurch wurde die Bahn des Golfstroms verlagert und ab 10700 v. Chr. sanken die Temperaturen in Mitteleuropa empfindlich ab (Jüngere Dryaszeit). Durch die Tundrenlandschaft im Jülicher Raum zogen wieder Rentierherden, denen von Leuten der Ahrensburger Kultur, nach der Form ihrer Pfeilspitzen auch Stielspitzengruppen genannt, nachgestellt wurde. Die regional bedeutendsten Fundorte dieser Kultur sind Altenrath in der Wahner Heide und die Kartsteine bei Mechernich.
Mit der jüngeren Dryaszeit endet gegen 9700 v. Chr. die bis dato letzte Eiszeit und mit ihr die Altsteinzeit.

Das Ziel ist nah! Die Eiszeit ist vorbei, immer noch tiefste Steinzeit, wir sind schon am Deutzer Bahnhof. Noch 2,2km bis zum Brauhaus am Dom.

   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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