Einführung und Übersicht :: Steinzeit :: Artefakte :: Rohmaterial :: Steinfunde :: Keramikfunde

Funddokumentation :: Zeichnung und Foto :: GIS :: Links :: Literatur :: Virtuelles Museum :: Forum :: Glossar :: Index

 


Merkmale von Artefakten aus Gesteinen

Merkmale von Artefakten aus Kieselgesteinen
Merkmale von Artefakten aus Felsgesteinen
Scheinartefakte, Eolithen

 

 

Merkmale der Artefakte aus Felsgestein

Wie auch bei den Artefakten aus Kieselgesteinen, lassen sich solche aus Felsgesteinen an ihren Zurichtungs- und Bearbeitungsspuren erkennen. War die Bestimmung von Vorprodukten für die Geräteherstellung bei Materialien wie Feuerstein oder Hornstein noch relativ einfach und eindeutig, so ist das bei Felsgestein leider anders. Gesteinsstücke die noch ganz am Anfang der Produktionskette stehen, lassen sich eigentlich überhaupt nicht anhand der äußeren Merkmale von Geofakten unterscheiden. Hier hilft ein wenig an geologischem Wissen und natürlich Erfahrung weiter.
Man sollte sich als Anfänger schon sachkundig machen, welche Gesteine sich überhaupt zur Geräteherstellung eignen - und man sollte auch wissen, welche Gesteinsarten in der Gegend, die man begeht, natürlich vorkommen.
Ein Beispiel für die Region um Düren und Jülich: wie ich schon in der Einführung geschrieben habe, besteht die Landschaft meines Sammelgebietes aus Ablagerungen der Haupt- und Mittelterrassen, überdeckt mit mehr oder minder mächtigen Lößschichten. Hier kann vieles naturgegeben als Geröll vorkommen, eines aber nicht: Basalt. Wenn ich nun ein verwittertes Basaltstück von der Form und Qualität, die es als Rohling für eine Dechselklinge geeignet erscheinen läßt finde, dann stellt sich ein gewisser Anfangsverdacht ein. Liegt der Fundplatz auf einer altneolithischen Siedlungsstelle, dann wird aus dem Verdacht fast eine Gewißheit. Bei Lesefunden, die ja niemals in situ vorliegen, kann es bei solchen Funden natürlich keine 100%ige Sicherheit geben, einem solchen Fund sei aber der Eingang in unsere Sammlung nicht verwehrt.

 

 

 
   

Die Zurichtungsspuren

Grobe Zurichtung durch Schlag

Auf dem Foto sieht man einen flach-breiten Abschlag aus Basalt, gefunden auf eine LBK-Siedlungsstelle. Typisch für das verwitterte Gestein ist die matt-hellgraue Farbe, ähnlich wie bei Portland-Zement. Wo die Patina durch rezente Beschädigung abgeplatzt ist, kommt die schwarze Farbe des Basaltgesteins zum Vorschein. Der Stein ist durch gezielte Abschläge in Form einer breit-flachen Dechselklinge gebracht worden. Er wird einmal wesentlich länger gewesen sein, vielleicht zerbrach er bei der Bearbeitung und ist vom Steinschmied verworfen worden.

 

Zurichtung durch Sägen

Sägen als Bearbeitungsmethode ist für Holz im Neolithikum nicht nachgewiesen, sehr wohl aber für Felsgestein. Die wertvollen Dechselklingen aus Amphibolit, das im nordböhmischen Isergebirge gefördert wurde, kamen vermutlich als gesägte Halbfabrikate an die Endverbraucher. Auch gibt es an abgenutzen mittelneolithischen Breitkeilen manchmal Sägespuren, die darauf schließen lassen, daß an Geräten aus wertvollem Gestein noch Reparaturen durchgeführt wurden.
Wie die neolithischen Sägen aussahen, ist mir nicht bekannt, anhand der Bearbeitungsspuren läßt sich der Arbeitsvorgang rekonstruieren: mit einem geeigneten Werkzeug wurde eine Rille gerade so tief in den Stein gesägt, daß er bei kräftiger Biegebeanspruchung genau an der gewünschten Stelle brach.
Das Foto zeigt eine Platte aus Wetzschiefer, die auf beiden Lateralseiten eine Sägespur hat. Am oberen Rand kann man die glatte bearbeitete Zone erkennen, unten sieht man die Bruchfläche.

 

Bearbeitung durch Picktechnik

Nachdem das Werkstück so weit es eben möglich war, durch die oben genannten Techniken in Form gebracht wurde, ging es an die "Feinarbeit". Mit einem harten Schlagstein, häufig wurden die Reste von Klingenkernen benutzt, wurde die Oberfläche so bearbeitet, daß sich Gesteinssplitter an den beabsichtigten Stellen lösten.
Neben der Zurichtung von Beil- und Dechselklingen, wurden auch die neolithischen Mahlsteine bei Bedarf gepickt, also aufgerauht.
Das Foto zeigt den Nacken einer spätneolithischen Beilklinge aus quarzitischem Gestein, die in Picktechnik bearbeitet wurde.

 

Die Schleiftechnik

Wenn eine Beilklinge in ihre endgültige Form gepickt war, kam es im letzten Arbeitsgang zum Schliff. Als wichtigsten Grund für den Schliff wird man natürlich den Wunsch nach einer scharfen Schneide annehmen. Dazu hätte es aber genügt, nur den Schneidenbereich zu schleifen. Die weitaus meisten Beil- und Dechselklingen sind aber vollflächig überschliffen. Vielleicht hat nur eine sauber hergerichtete Geräteklinge den Qualitäts- und Ästhetikansprüchen mancher neolithischer Kulturen genügt.
Geschliffen wurde auf Schleifwannen oder -steinen aus feinkörnigem Sandstein. Zugabe von irgendwelchen körnigen Schleifmitteln war nicht nötig, Wasser genügte. Die Mischung aus Wasser und dem Abrieb von Werkstück und Schleifstein ergaben eine Schleifpaste. Leute, die den Vorgang experimentell nachvollzogen haben berichten, daß eine gut vorgearbeitete Beilklinge in sehr kurzer Zeit fertiggeschliffen ist.
Das Foto zeigt den Übergang von der Pick- zur Schliffzone an einer Beilklinge aus Felsgestein.

 

Durchlochung von Gestein durch Picken

Die ersten durchlochten Felsgesteingeräte tauchen im Rheinland im späten Mesolithikum auf. Es handelt sich um die sogenannten Spitzhauen, langschmale Felsgesteingeräte, die entfernt an eine Axtklinge erinnern, aber keine Schneide, sondern eine Spitze haben. Ein besonderes Merkmal dieser Spitzhauen sind die Bohrlöcher, die keinen zylindrischen, sondern einen sanduhrförmigen Querschnitt haben. Man vermutet, daß diese Durchlochungen in Picktechnik ausgeführt wurden.
Das Foto zeigt ein Nackenbruchstück eines Gerätes, welches beim Bohrvorgang zerbrach. Es könnte sich um ein Spitzhauen-Fragment handeln, die Merkmale der angefangenen Bohrung sprechen für diese Annahme.

 

Durchlochung von Gestein durch Bohren

Gegen Ende des Altneolithikums wurde wohl die Hohl- oder Kernbohrung erfunden. Löcher wurden nicht mehr gepickt, sondern mit geeigneten Hohlbohrern, vermutlich getrockneten Holunderstäben, gedrillt. In der experimentellen Archäologie ist dieses Verfahren natürlich auch nachvollzogen worden. Die Bohransatzstelle wird im ersten Schritt durch eine gepickte Mulde präpariert. Mit einem "Fiedelbohrer", geführt mit der einen Hand, einen Druckstein mit Mulde in der anderen Hand, wird die Bohrung unter Zuhilfenahme von trockenem Sand oder Gesteinsgrus eingebracht. Abenteuerlich aussehende "Bohrapparate", wie sie manchmal in Museen gezeigt werden, sind nicht nachgewiesen und würden die Arbeit wohl auch nur unnötig verkomplizieren. Bei den manchmal als Schälchenstein oder Nußknacker genannten Felsgesteinartefakten mit flacher Mulde, könnte es sich durchaus um Widerlagersteine zum Bohren handeln.
Das Foto zeigt die Bohrung einer alt- oder mittelneolithischen Dechselklinge, man kann sogar die Bohrriefen erkennen.

 

Bohrkern

Der Bohrkern einer Hohlbohrung hat die Form eines Kegelstumpfes. Die Bohransatzstelle liegt immer auf der Seite mit dem kleineren Durchmesser. Durch das Schleifmittel wurde nicht nur Material an der Bohrkrone weggenommen, sondern auch an der Wandung. Beim durchbohrten Gerät liegt also die Ansatzstelle auf der Seite mit dem größeren Lochdurchmesser. Auf dem größeren Bild sieht man die Pickmulde der Ansatzstelle, auf dem kleinen Bild den Ausbruch, der kurz vor Beendigung des Bohrvorganges entsteht.
Das Foto zeigt einen Bohrkern, gefunden von einem Sammler in der südlichen Oberpfalz.

 

Merkmale von Klopfsteinen und Retuscheuren

Im Abschnitt über die Picktechnik wurden schon Klopfsteine erwähnt. Sie dienten zum Zurichten der Geräte aus Felsgestein und bestehen aus relativ hartem Felsgestein oder Feuerstein. Retuscheure hat man zur Bearbeitung von Feuerstein-Artefakten verwendet. Retuschieren von Feuerstein ist eine Präzisionsarbeit. Um das gewünschte Ergebnis zu erlangen, muß der Schlag in einem genau definierten Winkel, auf einen genau definierten Schlagpunkt mit einer genau definierten Energiemenge gesetzt werden. Dieses läßt sich nur mit einem weichen Schlagstein bewerkstelligen. Retuscheure wurden also aus weichen Gesteinen, wie Kalkstein oder Schiefer hergestellt. Für die Feinarbeit nahm man sogar organische Stoffe wie Ren- oder Hirschgeweih.
Klopfsteine und Retuscheure erkennt man an glatten, wie gepickt wirkenden Bahnen an den Schmalenden der verwendeten Gerölle. Manchmal wurden auch beide Schmalenden eines Steines benutzt, oft stehen die Bahnen facettenförmig gegeneinander.
Auf dem Foto ist ein Geröll aus Kieselschiefer abgebildet, das an einer Kante die Merkmale eines Klopfsteines hat. Es lohnt sich also auch, bei vermeintlich normalen "Kieselsteinen" genauer hinzusehen. Der Klopfstein war nicht lange im Einsatz, trotzdem zeigt er eindeutig die Merkmale eines Artefaktes aus Felsgestein.

 

Merkmale von Mahlsteinen und Schleifwannen

Mahlsteine wurden im rheinischen Neolithikum ausschließlich aus Sandstein hergestellt. Auf bandkeramischen Fundstellen sind ihre Bruchstücke relativ häufig zu finden. Als vollständige und neuwertige Geräte haben sie oft eine Form, die an einen Brotlaib erinnert. Mit längerer Benutzung stellen sich Merkmale der Abnutzung ein. Der Mahlstein-Unterlieger bekommt eine Arbeitsfläche, die sattelförmig aussieht, also in Längsrichtung (der Arbeitsrichtung) konkav gewölbt und in Querrichtung mit einer konvexen Wölbung versehen ist. Beim Läuferstein ist es umgekehrt: hier ist die Arbeitsrichtung quer zum Stein. Die Arbeitsrichtung hat eine konvexe Wölbung, die sich mit zunehmendem Verschleiß immer tiefer in den Gesteinskörper einarbeitet.
Die Arbeitsoberfläche von Mahlsteinen kann zwar aufgepickt sein, macht aber, wenn man mit der Hand darüber fährt, immer einem glatten Eindruck. Es darf bei Mahlstein-Oberflächen keine Erhebungen geben, die wurden beim Gebrauch alle weggeschliffen.
Für Schleifwannen gelten ähnliche Gesichtspunkte wie für Mahlsteine. Das Material ist meist feinkörniger quarzitischer Sandstein von hoher Festigkeit. Die Oberfläche ist sehr glatt, fast wie poliert. Die Schleiffläche hat oft die Form einer Mulde, häufig sind beide Seiten einer solchen Schleifwanne bearbeitet.
Das Foto zeigt das Bruchstück eines Mahlstein-Läufers, das schon deutliche Abnutzungsspuren aufweist.

 

   
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

   Fragen, Hinweise, Kritik? •  rolfpeter.g@googlemail.com