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Rohmaterial

Kieselgestein

Maasfeuerstein
Französischer Feuerstein
Baltischer Flint
Süddeutscher Hornstein
Radiolarit
Tertiärquarzit
Quarz

Felsgestein

Sandstein
Tongesteine und Feinsedimente
Basalt und andere Vulkanite
Plutonite
Quarzit
Amphibolit, AHS-Schiefer
Jadeite
Serpentinit
Konglomerate
Farbsteine

 

 

 

Rohmaterial steinzeitlicher Artefakte

   
Hier soll einmal ein kleines Nachschlagewerk der im Rheinland bei der Herstellung von Gesteinsartefakten verwendeten Rohmaterialien entstehen. Ich werde auch einige Gesteine, die bisher nicht in der Region gefunden wurden, zeigen. Vielleicht können Neufunde so besser zugeordnet werden.
Ich bin bestrebt, sowohl frisch geschlagenes Rohmaterial, als auch entsprechende Artefakte und wenn nötig, diese in verschiedenen Stufen der Verwitterung zu zeigen. Es gibt Gesteine, deren Aussehen in verwittertem oder patiniertem Zustand stark vom bergfrischen Zustand abweicht. Weil ich aber nur eigenes Bildmaterial oder das von Sammlerfreunden verwenden möchte, gilt diese Darstellungsform nicht durchgängig für das ganze Kapitel.
Bei Gesteinen, die man makroskopisch nur schwer bestimmen kann, werde ich entsprechend vergrößerte Detailaufnahmen hinzufügen.

Dieses Kapitel wird wohl eine "ewige Baustelle" bleiben. Sollte ein Leser Informationen zum Thema und vielleicht auch aussagekräftige Fotos beisteuern wollen, so wäre ich sehr zum Dank verpflichtet!

Kieselgesteine und andere Gesteine mit ähnlichem Bruchverhalten

Diese Gruppe zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Kieselsäure aus. Hierzu gehören Feuerstein, Chalzedon, Jaspis, Karneol, Hornstein, Radiolarit, Achat mit einer kryptokristallinen Ausbildung, Quarz und Bergkristall mit kristalliner Ausbildung und Kieselsinter, quarzitischer Sandstein und Tertiärquarzit mit amorpher Ausbildung. Eine große Härte zwischen 7 und 8 auf der Mohsschen Härteskala macht die Gesteine als Rohstoff für die Geräteproduktion interessant. Die kryptokristallinen und amorphen Kieselgesteine sind spröde und haben ein Bruchverhalten, das es ermöglicht, ein Rohstück durch gezielte Schläge auf einfache Weise in die gewünschte Form zu bringen. Folglich besteht der überwiegende Teil der Steinartefakte aus Kieselgesteinen. Als wesentliche Vertreter seien Abschläge, Klingen, Kratzer, Beilklingen, Picksteine und Pfeilspitzen genannt.
Obsidian, ein Glas vulkanischen Ursprungs, hat ähnliche Eigenschaften wie Kieselgestein, ist aber mangels natürlicher Vorkommen in Deuschland im Fundspektrum rheinischer Sammler nicht vertreten.
Kieselgesteine sind auch vom Laien auf den ersten Blick am "muscheligen Bruch", ähnlich der Bruchstelle an einer Glasscherbe zu erkennen.
Die meisten Kieselgesteine sind in ihrem Bruchverhalten isotrope Werkstoffe, es ist also egal, von welcher Seite ein Bruch herbeigeführt wird, das Ergenis ist immer gleich, es gibt keine Vorzugsbruchrichtung.

Feuerstein

Das wichtigste Kieselgestein für die prähistorische Werkzeugherstellung war der Feuerstein. Seinen Namen trägt das Gestein, weil es bis zur Erfindung des Zündholzes durch den englischen Apotheker John Walker im Jahre 1826, eigentlich sogar bis zur Erfindung des Sicherheitszündholzes 1848, das wichtigste Utensil zur Feuerentfachung war. Durch Schlagen eines Feuerstahls an den harten Feuerstein springen kleine Eisenspäne ab, die durch die hohe Reibungsenergie glühen. Treffen die Funken auf ein geeignetes Material, z.B. getrockneten Zunderschwamm, bringen sie diesen zum Glimmen. Diese Technik war bereits unseren Vorfahren in der Altsteinzeit bekannt. Es handelt sich um die einzig nachgewiesene Methode prähistorischer Feuererzeugung.
Die ältesten bekannten Feuersteinvorkommen entstammen dem Kambro-Ordovizium New Jerseys, die jüngsten dem späten Tertiär. Die in Europa häufigsten Vorkommen datieren auf das Jura (Hornstein) und die Kreide (Flint, Feuerstein).
Über die Entstehung des Feuersteins ist viel und kontrovers diskutiert worden. Inzwischen gilt es als sicher, daß es sich um einen postsedimentären Vorgang im Untergrund der Gewässer handelt. Am Grund der Gewässer ersetzte das Siliziumdioxyd, das beispielsweise von abgestorbenen Kieselorganismen stammte, an geeigneten Stellen das Kalksediment (Metasomatose). Solche Stellen sind z.B. Grabgänge von Würmern, Krebsen oder anderer im Boden lebenden Organismen. Bei den sogenannten Paramoudras läßt sich die Geometrie der ehemaligen Grabgänge noch gut erkennen. Von den Umwandlungskernen breitete sich das Siliziumdioxyd immer weiter in das umgebende Kalkgestein aus. Bei manchen Varietäten, als Beispiel sei der Silex von St. Mihiel genannt, hat man eine breite Zone, die außen aus Kalkgestein besteht und kontinuierlich in einen silifizierten Kern übergeht. Es ist ein Kennzeichen einer nicht vollständigen Umwandlung. Bei den meisten Feuersteinarten ist die Metasomatose abgeschlossen. Der Feuersteinkern ist nur durch eine dünne und deutlich abgesetzte Rinde vom Kalk getrennt.

Felsgesteine

Diese Gruppe hat zwar nicht immer die große Härte wie Kieselgestein, und läßt sich durch Schlagen auch nicht ohne aufwendige Nacharbeit in die gewünschte Form bringen, zeichnet sich aber oft durch hohe Zähigkeit aus. Je nach Verwendungszweck kommen verschiedene Felsgesteine zum Einsatz. Hartes und zähes Material wie Amphibolit, Wetzschiefer, Basalt oder Kieselschiefer wurde zu Beil-, Dechsel- oder Axtklingen verarbeitet. Sandstein diente in seinen verschiedenen Ausprägungen als Ausgangsprodukt für Mahl-, Reib- oder Schleifsteine. Aus Erzen wie Hämatit oder Ocker wurden Farbstoffe gerieben.
Viele Felsgesteine sind im Bruchverhalten anisotrop, man kann sie also durch einfache Zurichtungsschläge nicht in jede gewünschte Form bringen. Dieser Nachteil bei der Geräteherstellung ist andererseits ein Vorteil bei der Gerätehandhabung. Wählt man z.B. den Rohstoff für eine Beilklinge mit Bedacht aus und achtet bei der Herstellung auf eine sinnvolle Ausrichtung des Gefüges, so wird man ein Produkt erhalten, das gegen Bruch- und Torsionskräfte äußerst widerstandsfähig ist. Unsere Vorfahren besaßen dieses Fachwissen.
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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