Einführung und Übersicht :: Steinzeit :: Artefakte :: Rohmaterial :: Steinfunde :: Keramikfunde

Funddokumentation :: Zeichnung und Foto :: GIS :: Links :: Literatur :: Virtuelles Museum :: Forum :: Glossar :: Index

 



Rohmaterial

Kieselgestein

Maasfeuerstein
Französischer Feuerstein
Baltischer Flint
Süddeutscher Hornstein
Radiolarit
Tertiärquarzit
Quarz

Felsgestein

Sandstein
Tongesteine und Feinsedimente
Basalt und andere Vulkanite
Plutonite
Quarzit
Amphibolit, AHS-Schiefer
Jadeite
Serpentinit
Konglomerate
Farbsteine

 

 

 

Maasfeuerstein

   
Direkt zu den einzelnen Feuerstein-Varietäten:
Rijckholt-Feuerstein , Valkenburg-Feuerstein , Lousberg-Feuerstein , Simpelveld-Feuerstein , Vetschau- oder Orsbach-Feuerstein , Spiennes-Feuerstein , Rullen-Feuerstein , Obourg-Feuerstein , Hellgrau-belgischer-Feuerstein , Maasschotter-Feuerstein , Maaseier-Feuerstein ,


Der sogenannte Maasfeuerstein steht in den oberen Kreideschichten an, die sich als Ablagerungen des spätkreidezeitlichen Meeressediments vom niederländischen Südlimburg bis weit in die belgisch-limburgische Region erstrecken. In dieser Formation gibt es mehr als 40 feuersteinführende Schichten. Besonders der Feuerstein aus den Gulpener und Maastricher Formationen wurde in der Steinzeit als Rohmaterial verwendet.

Im Einschnitt des Albertkanals bei Eben Emael in Belgien sind die Feuersteinschichten der Maastricher Kreide aufgeschlossen. In den horizontalen, dunkel abgesetzten Bereichen kann man die eingelagerten Feuersteinknollen erkennen. Bei der großen vertikal ausgeprägten Störung handelt es sich um eine Karstschlotte, auch "geologische Orgelpfeife" genannt.

Eine Detailaufnahme der Wand.

Maasfeuerstein - Geologie, Vorkommen und Ausprägung


Durch Erosionsvorgänge haben sich im Laufe der Jahrmillionen Teile der Kalkschichten gelöst und die widerstandsfähigen Feuersteinknollen sind im Tal der Maas weit ins Umland verspült worden. Diesen sekundär verlagerten Feuerstein nennt man Maasschotter-Flint. Alle Feuersteinsorten der Maastricher Kreide können auch in dieser eluvialen Form auftreten. Relativ frisch ausgewitterte Stücke besitzen auch noch eine vollständige Rinde, es ist nicht leicht, manchmal unmöglich, sie von bergmännisch gewonnenem Feuerstein zu unterscheiden.
Eine besondere Form des Schotterflints sind die sogenannten Maaseier. Es handelt sich hierbei um Feuerstein, der aus den ehemaligen Kreidekliffs des Tertiärmeeres ausgewittert ist und in der Meeresbrandung zu glatten, eiförmigen Flintkieseln umgeformt wurde. Die Oberfläche erinnert an abgerollte Rinde, besteht aber aus glattgeschliffenen Resten unzähliger Schlagkegel.
Bis ins Jungneolithikum kam man durch natürlich vorhandene Aufschlüssen oder durch Aufsammeln an der Erdoberfläche an den begehrten Rohstoff. Ab dem mittleren Jungneolithikum wurde der Feuerstein auch im Bergbau gewonnen, im Tagebaubetrieb wie am Lousberg, oder im Tiefbau wie in Rijckholt, Valkenburg oder Spiennes.

Viele der Varianten des Maasfeuersteins kommen aus ähnlichem geologischen Umfeld, haben ein ähnliches Aussehen und sind nicht einfach zu unterscheiden. Man sollte sich in manchen Fällen einfach damit zufriedengeben, ein Material als "Maasfeuerstein" zu bestimmen. Eine grobe Hilfe zur geologischen und örtlichen Eingliederung soll die Grafik "Feuerstein in der Schichtenfolge der Maastricher Kreide" bieten.

Grundsätzliche Hinweise geben Rengert Elburg und seine Mitautoren auf Flintsource.net. Das Material der Region kann grob in zwei Gruppen eingeteilt werden: die überwiegend genutzen Flint-Arten aus dem Südwesten (Rijckholt, Rullen) zeigen einen matten Glanz auf frisch geschlagenen Flächen, sind feinkörnig und haben Einschlüsse in Form von helleren Punkten oder Flecken.
Der Hauptunterschied zwischen Feuerstein-Material aus Rijckholt und dem aus Rullen liegt in der Färbung: Rijckholt ist (bläulich)-dunkelgrau, manchmal sehr ähnlich dem Flint aus dem Hennegau und der Mons-Region. Rullen hingegen ist braun-grau bis honigbraun gefärbt.
Feuerstein aus der nordöstlichen Region (Valkenburg, Simpelveld, Orsbach/Vetschau und Lousberg) ist typisch matt, grobkörnig und hat nur selten Einschlüsse.
Flint vom Valkenburg-Typ ist ist meist homogen gefärbt, mit einem helleren Farbton von creme bis bläulich-grau als die anderen.
Haupterkennungsmerkmal von Simpelveld-Flint ist eine leichte Bänderung, die man besonders gut erkennen kann, wenn der Stein angefeuchtet ist.
Feuerstein aus der Aachener Region (Lousberg, Vetschau/Orsbach) ist im Kern meist dunkelgrau mit einer Schattierung, die nach grünlich oder bläulich variieren kann. Häufig ist eine Braunfärbung einige Millimeter unterhalb der Rinde erkennbar. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Lousberg- und Vetschau-Flint besteht in der Form der Knollen. Lousberg-Rohstücke sind entweder plattig oder in flcher Fladenform ausgeprägt, wogegen Vetschau/Orsbach-Knollen von amorpher Form sind, häufig sogar eine regelrecht zerklüftete Oberfläche haben. Typisch für Orsbach sind aber oft auch kleinste punktförmige Einschlüsse.

Rijckholt-Feuerstein

Rijckholt-Flint ist der bei weitem am häufigsten vorkommende Feuerstein auf den neolithischen Fundplätzen des Rheinlandes. Das gilt besonders für die ältere und mittlere Bandkeramik und das Jungneolithikum. Das Material wurde zuerst wohl von der Oberfläche abgesammelt oder im Tagebau gewonnen. Aus geologischer Sicht stammt er aus den Lixhe- und Lenaye-Schichten der Maastricher Kreide. Der Rijckholt-Feuerstein trägt seinen Namen nach dem gleichnamigen Ort südlich von Maastricht. Beim Ortsteil St. Geertuid bestanden etwa zwischen 3950 v. Chr. und 2650 v. Chr.auf einem Gebiet von 8ha Feuersteinbergwerke, in denen das Gestein aus 5 bis 12 m tiefen Schächten eingewonnen wurde. Die Gesamtförderung an Rijckholt-Flint wird über die Gesamtlaufzeit auf eine Menge von 19580t bis 23140t geschätzt. (Groot M.E.Th. de, 1991, 1998; Felder u. Rademakers 1998). Aus dem Feuerstein wurden in lokalen "Ateliers" überwiegend Klingen, große Abschlagkratzer und Vorprodukte für Beilklingen hergestellt. Man rechnet mit einem Ausstoß von etwa 25000 Klingen und Beilen im Jahr. (Felder 1998). Über die gesamte Laufzeit wären das 12,5 Millionen Feuersteinprodukte. Sie wurden bis in große Entfernungen verhandelt.
Im Bereich des Bergwerksgebiets wurden einige Schächte ausgegraben und durch einen horizontalen Stollen verbunden. És stellte sich heraus, daß es die neolithischen Bergleute im Wesentlichen nur auf eine einzige der 23 feuersteinführenden Schichten des Kalksteins von Lanaye abgesehen haben: auf die Schicht Nr. 10. Sie liefert das Material der höchsten Qualität.
Im Berggwerksgebiet, aber auch weit davon entfernt, wurden Depots mit Rijckholt-Klingen gefunden, die nachweislich von einem einzigen Kernstein stammen. Restkerne sind hingegen weder nahe der Mine, noch in den entfernter liegenden Siedlungen in entsprechender Menge zu finden. Vielleicht sind sie als Werkzeuge zur Feuersteingewinnung genutzt oder zu Beilrohlingen verarbeitet worden. Die Halbfabrikate für Beilklingen wurden erst beim Endabnehmer fertig zugerichtet und geschliffen.

Die umfassendste Beschreibung des Rijckholt-Feuersteins stammt von Marjorie de Grooth (Groot M.E.Th. de, 1998-1).
"Die Feuersteine aus Schicht 10 des Kalksteins von Lanaye sind knollenförmig; Länge, Breite und Dicke betragen i.a. mindestens 20 cm. Die Knollen besitzen eine große Vielfältigkeit an Textur und Farbe und auch der Abmessungen, Form und Farbe der mit bloßem Auge sichtbaren Einschlüsse. Diese Unterschiede treten oft in einer einzigen Knolle auf, wobei die Übergänge allmählich sind.
Die Farbe variiert von sehr dunkel bis sehr hellgrau, beide manchmal mit einem leichten Blauschimmer. Die hellgrauen Partien sind oft teilweise hell/dunkel zoniert. Die Oberfläche der artifiziellen Spaltflächen ist glatt aber nicht glänzend; die Textur ist überwiegend feinkörnig. Die dunkelsten Stellen können "glasartig" sein, d.h. sie sind einigermaßen durchscheinend, was besonders an den Rändern von Klingen und Abschlägen zu sehen ist. Bei Weitem das meiste Material ist allerdings opak.
Die wichtigsten Einschlüsse sind:
- Gruppen schwarzer und weißer runder Tupfen (<1mm).
- Kleine und mittelgroße (> 1 mm, < 10mm) runde bis ovale Flecken, hellgrau bis weiß, glatt mit der gleichen Textur wie die Matrix.
- Kleine bis mäßig große (>1mm, <10mm) runde bis ovale Flecken, dunkelgrau bis schwarz, glatt und manchmal glasartig.
- Große (>10mm) Flecken, rund bis unregelmäßig, scharf abgegrenzt, hellgrau bis weiß, Textur rauher als die Matrix.
- Mittelgroße und große (5 - 50 mm) ringförmige Flecken, rund bis unregelmäßig in der Form, mit einem glatten weißlichen Außenring und einem glatten, hellgrauen Kern.
- Verschwommene große hellgraue Flecken.
Die natürlichen Sprungflächen tragen oft eine dünne Eisenoxydlage, entstanden durch eisenhaltiges Grundwasser. Bergfrische Stücke haben eine dünne, schmirgelpapierähnliche Cortex von weiß-gelber oder hellbraun-gelblicher Farbe."

Es ist bis heute nicht möglich, bergmännisch gewonnenen Feuerstein aus Rijckholt eindeutig von dem aus Spiennes oder Jandrain-Jandrenouilles zu unterscheiden.

Rijckholt-Feuerstein kommt auf fast allen Fundstellen vor, die ich besuche. Auf altneolithischen und MK-zeitlichen Stellen besteht der überwiegende Großteil der Artefakte aus Rijckholt-Flint.

Knolle aus Rijckholt-Feuerstein, gefunden auf einer bandkeramischen Siedlungsstelle

Jungneolithische Klinge aus Rijckholt-Flint mit typischen Einschlüssen

Ein weiteres Merkmal sind die häufig auftretenden konzentrischen Zonierungen, die sich um Fehlstellen im Flint bilden

Direkt unterhalb der Rinde kann man oft eine dunkle, glasige Zone beobachten. Dieser Kratzer trägt eine ganz leichte braune Feuchtbodenpatina, das Merkmal ist aber gut zu erkennen.

Rijckholt-Feuerstein mit einer von Quarzkristallen bedeckten Kluft

 

Valkenburg-Feuerstein

Der Valkenburger Feuerstein entstammt den Schichten des Emael-Kalks. Benannt ist er nach dem Ort Valkenburg an der Geul im niederländischen Südlimburg, wo ab dem späten Michelsberg der Feuerstein bergmännisch im Tiefbau gewonnen wurde (Brounen 1998). Das Vorkommen beschränkt sich aber nicht auf den Ort, man kann ihn in weiten Teilen Südlimburgs finden. Das Gestein kommt in drei unterschiedlich Erscheinungsformen vor: als unregelmäßig geformte, bis zu unterschenkeldicke, röhrenförmige Gebilde, als bis zu quadratmetergroße und maximal 15 cm dicke Platten und als bis zu mehrere Tonnen wiegende, unregelmäßig geformte Knollen. (Weiner J. 1997)
Auf den ersten Blick scheinen manche Varietäten des Valkenburg-Feuersteins eher aus feinkörnigem Quarzit als aus Flint zu bestehen. Er hat zwar einen muscheligen Bruch, die Oberfläche ist aber ausgesprochen rauh. Diese Eigenschaft betrifft die oberflächennah vokommenden, angewitterten Feuersteinbänke. Material aus tieferen Schichten ist hingegen feiner strukuriert.
Die Farbe des Valkenburger Feuersteins wird in der Literatur als überwiegend hellgrau bis bläulichgrau beschrieben (Felder 1980). Mir persönlich sind aber nur Exemplare von homogener hellbeiger Farbe bekannt. Das Gestein ist grundsätzlich opak. Die Rinde ist gelblich-weiß, dünn, hart und körnig.
Aus dem Material wurden im ausgehenden Jungneolithikum und im Spätneolithikum vornehmlich große Beilklingen hergestellt. Klingen,Kratzer oder ähnliche Produkte sind selten, Pfeilspitzen aus Valkenburg-Flint sind sogar extrem selten.

Valkenburg-Rohmaterial in der Ausprägung als röhrenförmiges Gebilde

Schneide einer großen geschliffenen Beilklinge aus typischem Valkenburg-Feuerstein

Bruchstelle einer Beilklinge aus Valkenburg-Feuerstein

Beilklinge aus Valkenburg-Feuerstein in einer feinkörnigeren Variante

Beilklinge aus Valkenburg-Feuerstein

 

Lousberg-Feuerstein

Das Material stammt vom Aachener Lousberg, der am nördlichen Stadtrand als freistehender, steiler Hügel aus dem Aachener Talkessel herausragt. Das Plateau des Lousbergs war einst von einer annähernd 6m dicken Kalkplatte bedeckt, von denen die obersten 4,5 m abbauwürdige Feuersteinlagen enthielten. Diese feuersteinführenden Schichten wurden komplett abgebaut und übrig blieb die sterile Basis des Vetschauer Kalks über den Vaalser Grünsanden (R. Walter 2010). Heute stellt sich die Oberfläche des Lousbergs als hügelig geprägte Kleinlandschaft dar, das sind die Abraumhalden des ehemaligen Tagebaus (J. Weiner 1998). Auf der Fläche und an den Steilhängen lassen sich Abschläge aus Feuerstein finden, Abfälle der damaligen Produktion. Aus dem 14C Daten der am Lousberg im Abraum gefundenen organischen Artefakte ergibt sich eine Laufzeit des Bergwerks zwischen mindestens 3300 v. Chr. bis 3100 v. Chr. und höchstens 3500 v. Chr. bis 3000 v. Chr. Wahrscheinlich setzt der Abbau jedoch früher ein, da zu Anfang der Abraum den Hang hinab entsorgt wurde. Aus Berechnungen, die das Gesamtvolumen des Abraumes, das Gewicht der vorhandenen Feuerstein-Produktionsabfälle pro Volumeneinheit Abraum und das durchschnittliche Gewicht von Beilklingen-Halbfabrikaten ins Verhältnis setzen, ergibt sich eine Gesamtzahl von etwa 300000 Beil-Rohlingen, die den Lousberg verlassen haben (Schyle 2006).
Ein weiteres Vorkommen ist vom Oberhang des Schneebergs bei Vaals bekannt, dieses ist nach heutigem Kenntnisstand in der Steinzeit nicht abgebaut worden. (Weiner J. 1997)
Durch seine auffällige Färbung ist Lousberg-Feuerstein leicht und eindeutig zu identifizieren und bietet sich als Studienobjekt zur geographischen Verbreitungsforschung von Beilklingen einer "Marke" an. Auf rheinischen Fundplätzen sind Lousberg-Beile natürlich häufig vertreten, es gibt aber auch Funde in Niedersachsen, Luxemburg und in den westlichen Niederlanden.
Lousberg-Feuerstein kommt in Platten oder Fladen bis 8cm Dicke vor. Er ist opak und häufig zweifarbig. Die äußeren, rindennahen Bereiche sind schokoladenbraun, die Färbung stammt vom Kontakt mit eisenhaltigen Wässern. Der Kern ist grau, scharf von der braunen Zone abgesetzt. Der frisch geschlagene Stein hat eine matte Oberfläche, geschliffene Stücke sind seidenmatt, kaum glänzend. Die Rinde ist dünn, rauh, scharf vom Feuerstein abgesetzt und eben. Bei manchen Stücken sind im Flint punktförmige Einschlüsse, ähnlich denen bei Rijckholt-Feuerstein zu beobachten.
Aus Lousberg-Flint wurden fast ausschließlich Beilklingen hergestellt. Ich kenne nur eine Fundstelle, an der Lousberg-Feuerstein auch in Form von größeren Abschlägen und daraus gefertigten Kratzern und Klopfsteinen vorkommt.

Ein Abschlag aus typischem Lousberg-Feuerstein

Lousberg-Feuerstein mit Einschlüssen

Beilklinge aus einer sehr hellen Lousberg-Variante

 

Simpelveld-Feuerstein

Obwohl der Simpelveld-Feuerstein nach einer Ortschaft in Südlimburg benannt ist, kennt man bis heute keine definierte Abbaustelle oder gar ein Bergwerk, in dem diese Flintart gefördert wurde. Bei Simpelveld wurde aber eine Konzentration von Abschlägen und Beilklingen-Vorarbeiten gefunden. Es ist möglich, daß der Abbauort von der Ortschaft überbaut wurde oder beim Bau der Eisenbahnlinie verloren ging.
Der Feuerstein ist grau, grau-braun bis braun und stammt aus der östlichen Facies des Kalksteins von Lanaye. Direkt unter der Rinde ist er manchmal dunkler als tiefer im Steininneren. Er kommt plattig oder fladig vor. Seine Rinde ist weißlich-grau, dünn, hart und eben. Besonders wenn man den Stein befeuchtet oder er leicht patiniert ist, kann man an manchen Stücken eine leicht streifige oder gebänderte Struktur erkennen. An artifiziellen Spaltflächen hat Simpelveld-Feuerstein eine glatte, matt glänzende Oberfläche. Das Material ist kaum transluzid.
Artefakte aus Simpelveld-Feuerstein tauchen im meinem Fundgut häufig auf spätneolithischen Plätzen in Gesellschaft mit Geräten aus Lousberg- und Valkenburg-Flint auf.

Simpelveld-Feuerstein, harte ebene Rinde, leichte Bänderung, außen dunkler als innen

Bruchstelle einer Beilklinge, auch hier kann man die Bänderung erkennen

 

Vetschau- oder Orsbach-Feuerstein

Wie bei Simpelveld, so ist auch beim Vetschau- oder Orsbach-Feuerstein das ursprüngliche Vorkommen nicht bekannt. Den Namen hat er von den Dörfern Orsbach und Vetschau an der deutsch-niederländischen Grenze bei Aachen. Man kann ihn dort auf den Feldern auflesen.
Seine Farbe ist schwarz bis dunkelgrau, er ist sehr feinkörnig, in der dunklen Grundmasse gibt es zahlreiche weiße Punkte und größere helle, abgesetzte Schlieren. Die Rinde ist rauh, weißlich und sehr unregelmäßig geformt.
Orsbach-Feuerstein kommt auf den mesolithischen Fundorten meines Sammelgebietes regelmäßig vor. Auf neolithischen Stellen ist er eher selten.

Typischer Orsbach-Feuerstein, dunkelgrau, zerklüftete Rinde, kleine, helle Punkte

Auf dem oberen Bildteil kann man die hellen Schlieren erkennen

Im Mesolithikum war der Orsbach-Feuerstein ein beliebtes Rohmaterial. Der Kernstein stammt von der Fundstelle Hamnach I. Durch die braune Patinierung werden die farblich abgesetzten Schlieren besonders gut sichtbar. Typisch ist auch die kavernös eingestülpte Rinde.

 

Spiennes-Feuerstein

Der Ort Spiennes liegt in Belgien, etwa 6km südöstlich von Mons. Dort bestand im Neolithikum eine blühende Feuersteinindustrie mit untertägigem Bergbau. Eine Feuerstelle in der Ausgrabungszone Ib des Bergwerks ist auf 3470 v. Chr. datiert. Dieser Zeitpunkt erinnert an die dort auslaufende Bandkeramik und an den Beginn der dortigen Michelsberger Kultur. In der Zone IIIc wurden 4 Dechselklingen aus Glimmerschiefer gefunden. Ein Gefäß der nordfranzösischen Chasséen-Kultur läßt kulturelle Beziehungen nach Westen als sicher erscheinen. Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr dehnte sich die Michelsberger Kultur bis nach Spiennes aus. Die zahlreiche MK-Keramik ist mit Silexkörnchen gemagert. Der Bergbau kam in dieser Zeit zur vollen Entfaltung. Auf den Fundstellen hat auch die Seine-Oise-Marne-Kultur ihre Spuren hinterlassen und Becherkulturen sind ebenfalls nachzuweisen. (Hubert 1980)
Die Hauptproduktion bestand aus der Fertigung von Beilplanken; sie besitzen sämtlich eine Größe von 8 bis 25 bzw. 30cm, doch sind diese größten Exemplare sehr selten.
Die Produkte aus Spiennes, Fertigprodukte wie Kratzer und Dolche oder Halbzeuge wie Beile und Meißel, sind vermutlich über weite Entfernungen verhandelt worden.
Der Nachweis fällt allerdings schwer, da der Feuerstein aus Spiennes keine prägnanten, charakteristischen Eigenschaften besitzt. Schon nach kurzer Zeit geht seine Farbe von bräunlichen Tönen nach grau über. Das folgende Foto hat mir freundlicherweise ein Sammler aus dem belgischen Mechelen, der häufig das Berbaugebiet in Spiennes besucht, zur Verfügung gestellt Es zeigt drei Klingen, gefunden in Spiennes, die durchaus auch aus Rijckholt stammen könnten.

Große Feuersteinklingen, gefunden beim "Camp à Cayaux" in Spiennes

 

Rullen-Feuerstein

Das Gestein stammt aus Residuallagerstätten in der Gegend von Rullen (Belgien). Der Feuerstein ist also sekundär verlagert, gelangte aber nicht in die Maasterrassen, die Oberfläche ist nicht abgerollt. Diese Eigenschaft unterscheidet ihn vom ähnlich gefärbtem Maas-Schotterflint.
Rullen-Flint ist hellgelblichgrau bis dottergelb, gelegentlich auch mit leicht graugrünlichem Unterton, es können allmähliche Übergänge zwischen diesen Farbtönen in einer Knolle vorkommen. Spaltflächen sind mehr oder weniger glänzend; je weniger, um so mehr spielt die Farbe ins Graue. Die Rinde ich milchweiß, nicht sehr rauh, hart, mehrere Millimeter dick und somit mächtiger als beim Durchschnitt des Rijckholt-Feuersteins. Kanten sind immer durchscheinend, unter der Rinde besteht eine besonders klare Zone. Neben der Rinde sind auch hell patinierte natürliche Sprungflächen für das Material charakteristisch. Ein weiteres Merkmal des Rullen-Feuersteins ist das gleichmäßig dichte Vorkommen nadelkopfgroßer, feiner, heller Einschlüsse. (Löhr H., Zimmermann A, Hahn J., 1977)
Bei Rullen-Feuerstein fehlen die für Rijckholt-Flint und Schotterflint typischen schwarzen Flecken. (Hoyer W. G., 2009)
Es ist manchmal schwer möglich, Artefakte aus Rullen-Feuerstein von von solchen aus feuchtbodenpatiniertem Rijckholt-Feuerstein oder Schotterflint zu unterscheiden.
Rullen-Feuerstein ist eines der bevorzugten Rohmaterialien im rheinischen Mittelneolithikum. Auf den meisten Rössener Plätzen besteht ein überwiegender Teil der Silex-Artefakte aus Rullen-Flint.

Klopfstein aus Rullen-Feuerstein

Abschlag aus Rullen-Feuerstein

 

Obourg-Feuerstein

Die Lagerstätte und das Feuersteinbergwerk von Obourg liegt im belgischen Hainaut, etwa 5km nordwestlich von Mons. Die Stelle ist fast gänzlich durch einen Steinbruchbetrieb zerstört. Aus diesem Grunde kann man sie keiner bestimmten neolithischen Kultur zuschreiben. Im 19. Jahrhundert entdeckte de Munck in einem der durch den Steinbruch freigelegten prähistorischen Schächte den sogenannten Bergmann von Obourg, ein menschliches Skelett, dem eine Geweihhacke beigelegt war.
Der Feuerstein aus Obourg hat einige sehr charakteristische Eigenschaften. Er ist sehr kompakt, im Bruch glatt, hat eine fein abgesetzte dünne Rinde, fühlt sich irgendwie fettig an und patiniert leicht ins bläuliche. Aus ihm wurden Kratzer und Klingen hergestellt, die feine Textur ließ keine Produktion von Beilklingen zu. Obourg-Feuerstein ist auf rheinischen Fundplätzen selten. Ein von mir gefundener Feuerschlagstein aus dem Material ist ins Mittelneolithikum datiert worden.

Feuerschlagstein aus Obourg-Feuerstein

Abschlag aus Obourg-Feuerstein

 

Hellgrau-belgischer-Feuerstein

Die eigentliche Lagerstätte des hellgrau-belgischen Feuersteins ist unbekannt. Man vermutet ein Vorkommen 10 bis 20 km nordwestlich und westlich von Lüttich. Wie der Name schon sagt, ist die Farbe des Materials grau bis hellgrau. Die Struktur und die Haptik sind ähnlich wie beim Obourg-Feuerstein. Die Spaltflächen sind deutlich glänzend. Die helleren Schlieren sind matter als das übrige Material. Wenn man den Stein schräg im Gegenlicht betrachtet, kann man diese Eigenart deutlich erkennen. Die Rinde ist weiß bis grau, dünn und ohne kavernöse Einstülpungen.
Auf manchen alt- bis mittelneolithischen Stellen des Rheinlandes taucht der hellgrau-belgische Flint in nennenswerten Mengen auf. Daraus hergestellt wurden überwiegend Klingen und deren Folgeprodukte.

Messerähnliches Gerät aus hellgrau-belgischem Feuerstein

Mediales Klingenbruchstück aus hellgrau-belgischem Flint

 

Maasschotter-Feuerstein

Als Maasschotter- oder Terrassen-Feuerstein bezeichnet man den Flint, der durch Erosion aus den Kalkschichten der Kreide oder aus Residuallagerstätten herausgelöst wurde und sich dann in den Schottern der Maas und seiner Nebenflüsse abgesetzt hat. Diese Vorgänge begannen bereits im Tertiär und nahmen an manchen Stellen die obersten Schichten des Kalkgebirges vollständig weg. Ein Blick in die tief eingeschnittenen Täler des limburgischen Maasgebietes zeigt deutlich, daß alle feuersteinführenden Schichten betroffen sind. Folglich kann man im Maaschotter eine Vielzahl der Flintvarianten, die lokal am Mittellauf der Maas vorkommen, am Unterlauf wiederfinden. Schotter-Feuerstein kann eine sehr gute Qualität haben, das gilt besonders, wenn er verhältnismäßig frisch ausgewittert ist und noch nicht weit talabwärts verspült wurde.
Artefakte aus Schotterflint sind oft nicht von solchen aus lokal gewonnenem zu unterscheiden. Bis ins Jungneolithikum stammte ja der gesamte verarbeitete Rohstoff entweder aus natürlichen Aufschlüssen and den Talhängen oder aus dem Schotter.
Ein Kennzeichen des eluvialen Feuersteins ist die teilweise stark abgerollte Rinde. Auch ist die Farbe ein wichtiges Hilfsmittel zur Bestimmung von Schotterflint. Es gibt zwar auch dunkelgraue bis schwarze Maasschotter, die Hauptfarbtöne liegen aber zwischen hellgrau und gelblich braun. Mit der mechanischen Aufarbeitung des Gesteins ist auch eine chemische einhergegangen. In die natürlichen Sprungflächen ist Eisenoxyd eingedrungen und hat die Farbe in Richtung der Brauntöne verändert. Die Aufhellung ist auf Auslaugung durch agressive, wasserlösliche Substanzen zurückzuführen. Artifizielle Spaltflächen an Schotterfeuerstein sind selten glänzend, meist fein- bis grobkörnig und matt. (Weiner J. 1997)

Kratzer aus Schotterflint, die Rinde ist vollständig abgerollt und glatt

Bei diesem Stück ist die Rinde stark abgerollt

Ein Klingenkernstein, bei dem die Rinde nicht stark verrollt ist

 

Maaseier-Feuerstein

Maasei-Feuerstein ist eine besondere Art des Terrassenfeuersteins. Es handelt sich bei ihm um Flintknollen, die im Tertiär freigewittert sind, als am ursprünglichen Ort des Vorkommens eine Meeresküste war . Man kann sich die Situation ähnlich vorstellen, wie sie heutzutage an der Kreideküste von Rügen anzutreffen ist. Der Strand ist übersät von Feuersteinknollen, die in der Brandung durch Abrasion und Stoß kontinuierlich umgeformt werden. Schließlich bleiben konvexe, eiförmige Feuersteinkiesel übrig. Die glatte aber doch leicht strukturierte Oberfläche der Maaseier stammt nicht von etwaigen Rindenresten ab, es sind glattgeschliffene Schlagkegel, Zeichen der weiter oben beschriebenen Umformungsprozesse.
Als Rohstoff für Artefakte spielen Maaseier besonders im Mesolithikum eine gewisse Rolle. An manchen Stellen findet man kleine Kernsteine aus Maaseiern. Durch die geringe Größe und der Probleme, die sich beim Zerlegen der Steine erbeben (man findet am rundlichen Kiesel keinen natürlichen Ansatzpunkt um eine Schlagfläche zu schaffen), spielen sie im Rheinland zu jüngeren Zeiten als Rohmaterial nur noch eine untergeordnete Rolle.

Lamellenkernstein aus Maasei-Feuerstein

 



Literatur:

Brounen F.T.S. u. Ploegaert P. (1992): A Tale of the Unexpected: Neolithic shaft mines at Valkenburg aan de Geul (Limburg, the Netherlands). In: Analecta Praehistorica Leidensia Bd. 25, Leiden, 189 - 223
Brounen F.T.S. (1998): Vergeten land, het onderzoek naar prehistorische vuursteengewinning in de regio Valkenburg an de Geul. In: J.Deeben, E.Drenth (red.): Bijdragen an het onderzoek naar de Steetijd in Nederland, Verslagen van des "Steentijddag" 1. Amersvoort (Rapportages Archeologische Monumentenzorg 68), 75-96
Felder, P.J. (1971) in: Nederlandse Geologische Vereniging (Hrsg.), Eerste Internationale Symposium over vuursteen, Maastricht
Felder, P.J. (1980): NL 2 Valkenburg, Prov. Limburg. In: Weisgerber, Slotta, Weiner (Hrsg.) 5000 Jahre Feuersteinbergbau, Bochum, 568-572.
Felder, P.J. u. P.C.M. Rademakers (1998): Het spel met getallen nogmaals gespelt. In: P.C.M Rademakers (red.): De prehistorische vuursteenmijnen van Ryckholt-St. Geertuid. Heerlen, 295 - 297.
Groot M.E.Th. de (1991): Socio-economic aspects of Neolithic flint mining: a preliminary study. Helinium 31, 153 - 190
Groot M.E.Th. de (1998-1): Archeologische beschrijvingen van de Ryckholt-Vuursteen. In: P.C.M.Rademakers (red.): De prehistorische vuursteenmijnen van Ryckholt-St. Geertuid. Heerlen, 160 - 161
Groot M.E.Th. de (1998): De duur van de exploitatie. In: P.C.M.Rademakers (red.): De prehistorische vuursteenmijnen van Ryckholt-St. Geertuid. Heerlen, 289 - 294.
Hoyer W. G. (2009): Das bandkeramische Gräberfeld Niedermerz 3. In: Studien zum Alt- und Mittelneolithikum im Rheinischen Braunkohlenrevier. Rheden, 108
Hubert F. (1980): B1 Zum Silexbergbau von Spiennes. In: Weisgerber, Slotta, Weiner (Hrsg.) 5000 Jahre Feuersteinbergbau, Bochum, 124-139.
Löhr H., Zimmermann A, Hahn J. (1977): Feuersteinartefakte. In: Beiträge zur Besiedlung der Aldenhovener Platte II, der bandkeramische Siedlungsplatz Langweiler 9, Bonn, 131 - 266
Schyle D. (2006): Die spätneolithische Beilproduktion auf dem Lousberg in Aachen. In: Archäologische Informationen 29/1&2, 2006, 35 - 50
Walter R. (2010): Aachen und die nördliche Umgebung. In: Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart, 114 - 117
Weiner J. u. Weisgerber G. (1980) D3 Die Ausgrabungen des jungsteinzeitlichen Feuersteinbergwerks "Lousberg" in Aachen 1978 - 1980. Ein Vorbericht. In: Weisgerber, Slotta, Weiner (Hrsg.) 5000 Jahre Feuersteinbergbau, Bochum, 92-119.
Weiner J. (1997): Die Maasschotter der Niederrheinischen Bucht als Feuersteinlieferant für die bandkeramischen Siedlungsplätze Langweiler 8 und Langweiler 9. In: Studien zur Besiedlung der Aldenhovener Platte und ihrer Umgebung. Köln, 599 - 646
Weiner J. (1998): Der Lousberg in Aachen, Feuersteinbergbau vor 5500 Jahren. Rheinische Kunststätten Heft 436, Köln
Zimmermann A. (1988): Steine. In: Der bandkeramische Siedlungsplatz Langweiler 8, 569 - 787, Köln
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

   Fragen, Hinweise, Kritik? •  rolfpeter.g@googlemail.com