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Französischer Feuerstein

   
Direkt zu den einzelnen Feuerstein-Varietäten:
Grand-Pressigny-Feuerstein , Romigny-Lhéry-Feuerstein , St. Mihiel-Hornstein

Unter dem Namen "französischer Feuerstein" sind hier die Silexvarianten aufgeführt, die aus dem heutigen Frankreich kommen. Frankreich ist ein Land, in dem es zahlreiche Feuersteinvorkommen gibt. Ich beschränke mich in der Darstellung auf Material, welches auch auf Fundstellen im Rheinland vorkommt.

Der Feuerstein von Le Grand Pressigny

Der Ort Le Grand Pressigny liegt südlich von Tour mitten im Zentrum Frankeichs. An den Hängen der Bäche und Flüßchen treten die geologischen Schichten des Oberen Turon zu Tage. Diese Formationen sind außerordentlich reich an Feuerstein. Er kommt dort in Knollen oder Platten vor, die Mächtigkeiten bis an 30cm haben. Einzelne Knollen sind noch wesentlich größer. Da der Silex dort in wirklich gewaltigen Mengen vorkommt, war es nicht nötig, unter Tage zu förden. Die natürlich entstandenen Aufschlüsse boten und bieten noch heute Feuerstein im Überfluß.
Wie Funde zeigen, wurde in der Gegend bereits im Paläolithikum Feuerstein verarbeitet, ihre Blüte erreichte die Feuersteinindustrie aber im ausgehenden Neolithikum. Es wurden unschätzbare Mengen an Kernsteinen, Klingen und Beil-Halbfabrikaten hergestellt. Der Handel mit den Gütern erstreckte sich über ganz Mitteleuropa. Eine Spezialität von Le Grand Pressigny waren die Livre de Beurre, aufwendig präparierte Klingenkerne. Die sehr langen Feuersteinklingen wurden häufig zu Spandolchen verarbeitet.
Der Grand-Pressigny-Feuerstein ist braun bis honigfarben, schwach transluzid und von homogener, bester Qualität. Eine Besonderheit, die ihn eindeutig von anderem, ähnlich gefärbtem Silex unterscheidet, ist der sogenannte Zuckerglanz. Betrachtet man den Stein schräg gegen das Licht, so erkennt man auf der Oberfläche zahlreiche glitzernde Partikel, es erinnert an die feinen Quarzkörnchen im Wommersom-Quarzit.

Proximales Bruchstück einer Klinge aus Pressigny-Feuerstein

Frisch geschlagener Abschlag

Die Detailaufnahme gegen das Licht läßt den "Zuckerglanz" erkennen

 

Romigny-Lhéry-Feuerstein

Die beiden Orte Romigny und Lhéry liegen dicht beieinander in der französischen Champagne, etwa 20km südwestlich von Reims. Der Feuerstein von hier ist eine geologische Besonderheit, es handelt sich um einen Silex, der sich im Süßwasser des Tertiärs gebildet hat. Er steht nicht als Platten oder Knollen an, sondern das Kalkgestein verdichtet sich an manchen Stellen in einem sanften Übergang zu Feuerstein. Eine scharf abgesetzte Rinde ist nicht vorhanden. Ob es einen untertägigen Feuersteinbergbau in der Gegend gab, ist nicht bekannt, aber das Material wurde im Jung- und Spätneolithikum über weite Strecken verhandelt.
Die Farbe von Romigny-Lhéry-Feuerstein ist hellbraun bis beige. An manchen Stücken ist eine schwache Bänderung zu erkennen, deshalb wurde das Gestein früher auch silex rubanée genannt. Beim Anfassen des Gesteins hat man ein "seifiges" Gefühl, ähnlich wie bei Speckstein. Ein sicheres Indiz für tertiären Süßwasser-Feuerstein sind runde Einschlüsse von Süßwasserorganismen, der Charophyten. Sie zeigen sich als kreisrunde Aussparungen im Gestein. Dieses Kennzeichen ist aber nur an den wenigsten Steinen vorhanden.

Abschlag aus Romigny-Lhéry-Feuerstein, man sieht deutlich den kontiuierlichen Übergang vom Kalk zum Silex (das Belegexemplar wurde mir freundlicherweise von J. Weiner zur Verfügung gestellt)

Klingenbruchstück aus Rhomigny-Lhéry mit ganz leichter Bänderung

Detailaufnahme einer geschliffenen Beilklinge aus Romigny-Lhéry-Silex. Bei den kreisrunden Einschlüssen handelt es sich um Oogonien, Fossilien, die typisch für tertiären Süßwasser-Silex sind. Der Abstand der Kreise im Zentrum des Bildes beträgt 2,8 mm.

 

Der Hornstein von St. Mihiel

Der Ort St. Mihiel liegt im französischen Departement Meuse. Hier durchschneidet die Maas die Kalkschichten des oberen Jura.
In die Kalkformationen sind silifizierte Konkretionen eingebettet, der sogenannte "Chaille rauracienne". An den übertägigen Aufschlüssen kann man heute noch Hornsteinknollen finden, sie sind aber von minderer Qualität. Bei den von mir aufgelesenen Belegstücken ist die Silifizierung nicht vollständig abgeschlossen, die Kalkrinde geht kontinuierlich in einen Hornsteinkern über.
Im Neolithikum wurde aber auf das Material Bergbau getrieben. Es ist wahrscheinlich, daß in heute nicht mehr zugänglichen Lagen qualitativ besseres Material vorhanden ist.

Auf den Jung- bis spätneolithischen Fundplätzen des Rheinlandes tauchen regelmäßig, wenn auch selten, geschliffene Beilklingen aus grauem, opakem Material auf. Die Herkunft des Gesteins ist bis heute nicht bekannt. Es könnte sich vielleicht um Hornstein aus der Region um St. Mihiel handeln.

Aufgeschlagene Hornstein-Knolle aus St. Mihiel

Bruchstück einer Beilklinge aus opakem, grauem Feuerstein, gefunden bei Jülich

   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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