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Aktinolith-Hornblendeschiefer, Amphibolit

   
Amphibolit, auch Grünschiefer genannt, ist ein hartes und dichtes metamorphes Gestein. Es gibt in den das Rheinland umgebenden Mittelgebirgen keine Amphibolit-Vorkommen und das Material taucht auch nur selten in den hiesigen Schottern auf. Trotzdem war es im Altneolithikum der wichtigste Rohstoff für Dechselklingen. Das im Farbton von grün bis dunkelgrau variierende Gestein hat aber auch für diese Verwendung die allerbesten Eigenschaften. Es ist hart, es ist zäh und die Schieferstruktur ist nicht so deutlich ausgeprägt, daß sie die Stabilität beeinflussen würde. Obwohl sich die AHS-Schiefer äußerlich sehr ähneln, kann man mit bloßem Auge Unterschiede erkennen. Die im Gestein eingelagerten Mineralien sind manchmal nur als feine Strähnen ausgebildet, es gibt aber auch Varianten mit einer deutlichen Musterung durch Einstreuungen grober Mineralbestände. (Kegler-Graiewski 2007)
Analysen an alt- und mittelneolithischen Grünschiefer-Dechselklingen aus Nordhessen haben ergeben, daß das beprobte Material vollständig zur Gruppe der Aktinolith-Hornblendeschiefer gehört. Die Proben wurden von makroskopisch unterschiedlichem Material entnommen und man kann so davon ausgehen, daß es sich bei weitgehend allen Artefakten der Amphibolit- oder Grünschiefergruppe in Nordhessen um AHS-Schiefer handelt. (Ramminger 2007, Kegler-Graiewski 2007) Ältere Untersuchungen, auch in anderen Regionen, die u.a. von Frechen, Bakels, Arps, Schwarz-Mackensen und Schneider durchgeführt wurden, kamen zu ähnlichen Ergebnissen.
In einigen Mittelgebirgen Deutschlands kommen Amphibolite vor, so im Odenwald, Spessart, Fichtelgebirge oder im Erzgebirge. Der AHS-Schiefer, aus dem der überwiegende Anteil der altneolithischen Dechselklingen hergestellt wurde, konnte dort aber nicht gefunden werden. Erst vor kurzer Zeit wurde im nordböhmischen Isergebirge bei Jablonec nad Nisou ein reichhaltiges Vorkommen entdeckt. Neolithische Abbaustellen und Depotfunde in der Region deuten auf eine florierende Dechselklingenindustrie hin. (Šrein u.a. 2002)
Man sollte also davon ausgehen, daß die meisten im Rheinland zu findenden Dechsel aus AHS-Schiefer einen langen Weg hinter sich haben, liegt doch das Isergebirge über 600km vom Rheinland entfernt.
AHS-Schiefer ist erstaunlich verwitterungsbeständig. An den geschliffenen Geräte lassen sich manchmal sogar noch die Spuren der Schäftung erkennen. Bei wirklich ungünstigen Bodenbedingungen, ich kenne eine derartige Stelle im Umfeld des Ellbachs, können Amphibolit-Artefakte aber auch so intensiv verwittern, daß sich eine extrem rauhe Oberfläche ergibt. Nur die widerstandsfähigsten Minerale bleiben auf der Oberfläche erhalten. Das sind die dunklen, weiter oben beschriebene Einschlüsse, die man nun als glimmerartige, glänzende Plättchen erkennen kann. Erstaunlich ist, daß Fundorte verwitterter und "neuwertiger" Dechsel oft nur wenige Meter auseinander liegen.

Hohe Dechselklinge aus Amphibolit.

Vergleich einer stark verwitterten und unverwitterten Dechselklinge. Die Fundstellen der beiden Geräte liegen dicht beieinander.

Detailaufnahmen der beiden oben gezeigten Dechselklingen.

 



Literatur:

Kegler-Graiewski (2007): Kegler-Graiewski N., Beile-Äxte-Mahlsteine, Zur Rohmaterialversorgung im Jung- und Spätneolithikum Nordhessens. Köln 2007
Ramminger (2007): Ramminger B., Wirtschaftsarchäologische Untersuchungen zu alt- und mittelneolithischen Felsgesteingeräten in Mittel- und Nordhessen. Rahden/Westf. 2007
Šrein u.a. (2002): Neolitický težební areál na katastru obce Jistebsko (A Neolithic mining area in Jistebsko cadaster). Archeologie vi Strednich Cechach 2002, 91-99
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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