Einführung und Übersicht :: Steinzeit :: Artefakte :: Rohmaterial :: Steinfunde :: Keramikfunde

Funddokumentation :: Zeichnung und Foto :: GIS :: Links :: Literatur :: Virtuelles Museum :: Forum :: Glossar :: Index

 



Steinfunde

Paläolithikum

Stein-Artefakte

Mesolithikum

Kernsteine
Klingen
Kratzer
Mikrolithen
Pfeilspitzen

Neolithikum

Kernsteine
Klingen, Lackglänze
Kratzer
Jungneolithische Spitzklingen
Bohrer
Pfeilspitzen
Feuerschlagsteine
Beile aus Feuerstein
Beile aus Felsgestein
Dechsel aus Feuerstein
Dechsel aus Felsgestein
Äxte
Mahlsteine
Schleifsteine
Pfeilschaftglätter, Pickgruben, Rillensteine
Klopfsteine
Farbsteine

Jüngere Zeiten

Stein-Artefakte

Undatiert

Sonstiges, Ufos

 

 

 

Jungneolithische Spitzklingen

   
Seit im Paläolithikum die Klingentechnik erfunden wurde, gehörten spitz zulaufende Klingen zum festen Inventar aller steinzeitlichen Kulturen. Geschoßspitzen oder Klingenbohrer sind die bekanntesten Vertreter dieser Kategorie. In der jungneolithischen Michelsberger Kultur taucht eine besondere Art dieser Artefaktgruppe im Rheinland auf - die Spitzklingen.
Hergestellt aus oft großen Rijckholt- oder Romigny-Lhéry Klingen, sind sie meist umlaufend retuschiert, wobei die Retusche lateralseitig im Proximalbereich flach ausgeführt ist und Richtung Distalende immer steiler wird. An der Spitze sind Winkel bis zu 90 Grad möglich. Die unterschiedlich steile Stellung der Retuschiernegative läßt sich als Hinweis auf eine Schäftung interpretieren. Das ursprünglich flach ausgefürte Funktionsende nutze sich im Laufe der Zeit ab und wurde vom Eigentümer durch Nachretuschierung geschärft, was zu der typischen steil ausgeprägten Kantenform führte. Man kann die Spitzklingen vielleicht als Vorboten der endneolithischen Spandolche sehen. (Krull H.P. Weiner J. 2007)
Ich interpretiere die Spitzklingen als "Schweizer Offiziersmesser" des Jungneolithikums. Man konnte mit ihnen schneiden, bohren und kratzen. Ein Stein für alle Fälle!

Michelsberger Spitzklinge in animierter 3D-Darstellung (öffnet ein neues Fenster).



Jungneolithische Spitzklingen in den verschiedenen Stadien der Abnutzung. Die obere Klinge mißt 115mm, die kürzeste ist 70 mm lang

Die Klingen sind oft vollständig lateral retuschiert.

Spitzklingenbruchstücke findet man auf den meisten jungneolithischen Siedlungsstellen.

Spitzklinge oder schon Spandolch? Dieses Gerät von einer jungneolithischen Fundstelle zeigt deutlich die morphologische Ähnlichkeit zu endneolithischen Spandolchen. Bei der eingezogenen Form am Proximalende drängt sich eine Interpretation als ehedem geschäftetes Messer geradezu auf.
Die Klinge besteht aus typischem Feuerstein der Varietät Rijckholt. Sie hat eine Länge von 117 mm.

 



Literatur:

Fiedler L. (1979): Formen und Techniken neolithischer Steingeräte aus dem Rheinland. In: Rheinische Ausgrabungen Band 19 - Beiträge zur Urgeschichte des Rheinlandes III, Köln. 53-190.
Krull H.P. Weiner J. (2007): "Dolchmesser" und Prestigeobjekt - eine Michelsberger "Spitzklinge" aus Ilverich. In: AiR 2006, Stuttgart 67-69
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

   Fragen, Hinweise, Kritik? •  rolfpeter.g@googlemail.com