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Neolithische Pfeilspitzen

   
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Bandkeramische Pfeilspitzen , Pfeilspitzen aus dem Mittelneolithikum , jungneolithische Pfeilspitzen , spätneolithische Pfeilspitzen , Pfeilspitzen aus dem Endneolithikum und den frühen Metallzeiten.


Bei den Pfeilspitzen des Neolithikums im Rheinland läßt sich über die verschiedenen Kulturstufen eine kontinuierliche Änderung der Formen beobachten. Die bandkeramischen Spitzen waren noch stark vom Mesolithikum geprägt. Sie sind meist relativ klein, haben oft gerade Kanten, der Umriß ist meist dreieckig, Flächenretuschen sind eher selten. Im mittleren Neolithikum werden die Pfeilspitzen im Schnitt etwas größer und breiter, die Lateralkanten sind häufig leicht konvex. Durchschnittliche jungneolithische Pfeilspitzen sind wiederum etwas größer, haben leicht konvexe Lateralseiten und eine konvexe Basis. Es fällt mir schwer, die Pfeilspitzen des Spätneolithikums zu bestimmen, da es im Rheinland kaum gesicherte Fundstellen dieser Zeit gibt. Im Endneolithikum sind geflügelte Pfeilspitzen mit Schäftungsdorn typisch.
Querschneidende Pfeilspitzen sind im Rheinland selten. Vereinzelt tauchen sie auf alt-, mittel- und spätneolithischen Fundplätzen auf.

Bandkeramische Pfeilspitzen

Die Pfeilspitzen des rheinischen Altneolithikums stehen noch ganz in mesolithischer Tradition. Das Gebiet zwischen Düren und Jülich befindet sich nahe der nördlichen Grenze des bandkeramischen Verbreitungsgebietes, und so wird es noch über lange Zeit einen kulturellen Austausch zwischen neolithischen Bauern und mesolithischen Wildbeutern gegeben haben.
Waren die endmesolithischen trapezförmigen Pfeilspitzen äußerst sparsam, oft nur an der Basis retuschiert, so sind Ähnlichkeiten mit LBK-Spitzen nicht zu verkennen. Auch hier werden Retuschen nur aufs Nötigste beschränkt. Durch Retuschierung des Randes wird eine dreieckige Form hergestellt, gegebenenfalls wird die Dicke der Basis verringert. Um eine scharfe Spitze zu schaffen, gehen die Retuschen am Terminalende teilweise bis in die Fläche hinein.

Bandkeramische Pfeilspitze aus Schotterflint. Sie ist randlich retuschiert um den Umriß zu gestalten und flächig am Terminalende um die Spitze zu gestalten. Der Schlagpunkt der Grundform liegt am Terminalende.
Länge: 25 mm, Gewicht: 0,9 g.

Dreieckige, randlich retuschierte Pfeilspitze aus Rijckholt-Feuerstein.
Das Stück wiegt 1,1 g und ist 26 mm lang.

Bandkeramische Pfeilspitze mit steiler randlicher Retusche und eingezogener Basis.
Länge: 29 mm, Gewicht: 2,2 g

Die querschneidende Pfeilspitze aus hellgrau-belgischem Feuerstein stammt von einer LBK-Siedlungsstelle.
Sie ist 25 mm lang und wiegt 2 g.

 

Pfeilspitzen aus dem Mittelneolithikum

Mittelneolithische Pfeilspitzen haben oft einen herzförmigen, dreieckigen Umriß, teils mit konvexen Lateral- und Basalkanten. Bei ihnen ist schon ein großer Teil der Oberfläche retuschiert.

Mittelneolithische Pfeilspitze aus braun patiniertem Feuerstein.
Länge: 26 mm, Gewicht: 2,4 g

Braun patinierte Pfeilspitze mit Rinde auf der Dorsalseite.
Gewicht: 2,6 g, Länge: 34 mm

 

Jungneolithische Pfeilspitzen

Ihre Form knüpft an die der mittelneolithischen Spitzen an, sie sind aber oft länger und schmaler. Man könnte ihr Aussehen als blattförmig beschreiben. Nach meiner Erfahrung sind die jungneolithischen Pfeilspitzen die größten der Jungsteinzeit. Das typische Gewicht von Pfeilspitzen ist nach oben begrenzt. Geht man von einem normal dimensionierten Langbogen mit einer Schußkraft von etwa 300N aus, so liegt das Maximalgewicht einer steinernen Pfeilspitze etwa bei 8g. Die experimentelle Archäologie kommt zu ähnlichen Ergebnissen. (Weiner J. 2006)

Eine wirklich typische Pfeilspitze der Michelsberger Kultur. Das Material ist Rijckholt-Feuerstein,
sie wiegt 6,6 g und ist 47 mm lang.

Jungneolithische Pfeilspitze von langschmaler Form.
Die Länge beträgt 44 mm und das Gewicht ist 3,8 g.

Diese Pfeilspitze aus Rijckholt-Feuerstein stammt von einer jungneolithischen Fundkonzentration bei Jülich.
Die Länge beträgt 43 mm und das Gewicht ist 3,4 g.

Diese Spitze stammt aus der Gegend einer jung- bis spätneolithischen Fundstelle. Durch den feuchten Staunässeboden ist der eigentlich graue Feuerstein braun patiniert.
Gewicht: 7,6 g, Länge: 43 mm

Eine Pfeilspitze, gefunden im Umfeld eines neolithischen Erdwerks. (Gawel R.P. u. Weiner J. 2010)
Rohmaterial ist Hornstein vom Typ "Romigny-Lhéry" aus der Champagne. Das Gestein erkennt man an der bräunlichen Farbe, einer zarten Bänderung und an eingelagerten Oogonien. Eine Besonderheit bei dem Stück ist die intentionelle Wärmebehandlung des Steins. Beim sogenannten "Tempern" wird das Gestein über eine gewisse Zeit auf Temperaturen zwischen 280 und 350 Grad Celsius erwärmt, dadurch sollen sich die Bearbeitungseigenschaften verbessern. Man erkennt Temperung an der Beschaffenheit der Gesteinsoberfläche: die nach der Wärmebehandlung herausgearbeiteten Negative weisen einen deutlichen Fettglanz auf, wogegen die übrige Oberfläche matt ist. (Weiner J. 1985)
Gewicht: 4,0 g, Länge: 37 mm

Jungneolithische Pfeilspitzen mit Schäftungsdorn findet man nicht häufig im Rheinland. Diese stammt von einer Fundstelle bei Niederzier, an der großformatige Rijckholt-Klingen benutzt wurden. Der Platz ist wahrscheinlich der Michelsberger Kultur zuzuordnen.
Das Rohmaterial der Pfeilspitze ist auch ein sehr typischer Rijckholt-Flint.
Gewicht: 4,9 g, Länge: 47 mm

 

Spätneolithische Pfeilspitzen

Obwohl das Rheinland auch im Spätneolithikum besiedelt war, gibt es für diese Zeit eine Forschungslücke. Zahlreiche Oberflächenfunde von Beilklingen aus Lousberg- und Valkenburger Feuerstein, die wahrscheinlich spätneolithischer Zeitstellung sind, belegen die Anwesenheit von Menschen. Spätneolithische Siedlungen, Gräber oder Erdwerke sind aber bis heute nicht mit Sicherheit bekannt. Ich vergleiche meine Fundstücke aus diesem Grund auch mit Pfeilspitzen der Vlaardinger- und Stein-Gruppen aus den südlichen Niederlanden oder der Wartberg-Kultur, die in Nordhessen weit verbreitet war.

Diese Pfeilspitze dürfte spätneolithischen Ursprungs sein. Die breite Schäftungszunge erinnert an Spitzen der Wartberg-Kultur.
Das Artefakt ist 53 mm lang und wiegt 5,3 g.

Flächenretuschierte blattförmige Pfeilspitze mit eingezogener Basis. Spitzen ähnlichen Aussehens werden in der urgeschichtlichen Sammlung des Hessischen Landesmuseums in Kassel gezeigt und der Wartberg-Kultur (etwa 3500 v. Chr.) zugeordnet.
Die Pfeilspitze ist 41 mm lang und wiegt 7,6 g.

Das ist eine gestielte Pfeilspitze, die verbrannt und kalziniert ist, deshalb die weiße Farbe. Das Artefakt könnte endneolithisch sein, ähnliche Spitzen tauchen aber auch schon auf Fundplätzen der niederländischen Vlaardingen-Kultur (3500 - 3000 v.Chr.) auf. Vlaardingen-Funde in Hasselsweiler bei Jülich beweisen, daß Menschen dieses Kulturkreises bis ins Rheinland gekommen sind.
Die Spitze ist 24 mm lang und wiegt 1,6 g.

Ähnliche Querschneider kommen vom Fundplatz Hekelingen3 der Vlaardinger Gruppe oder vom namengebenden Fundort der Stein-Gruppe. Das Stück wird also spätneolithisch sein.
Das Geschoß wiegt 1,3 g und ist 20 mm lang.

 

Endneolithische und metallzeitliche Pfeilspitzen

Von den Becherzeiten bis in die Bronzezeit waren gestielte und gefügelte Pfeilspitzen üblich. Sie waren aufwendig bearbeitet, immer flächenretuschiert. Zu dieser Zeit kannte man schon Werkzeuge aus Kupfer und so sollte man davon ausgehen, daß Retuschierstäbe für feine Arbeiten eine Kupferspitze hatten.

Geflügelte Pfeilspitze mit Schäftungsdorn, hergestellt aus Schotterflint.
Länge: 31 mm, Gewicht: 2,5 g.

Diese gestielte und geflügelte Pfeilspitze hat die Behandlung mit der Kreiselegge nicht überlebt. Daß ein solcher Angelbruch beim Auftreffen des Pfeils auf ein hartes Ziel passierte, ist eher unwahrscheinlich.
Länge noch 17 mm, Gewicht: 1,3 g.

 



Literatur:

Fiedler L. (1979): Formen und Techniken neolithischer Steingeräte aus dem Rheinland. In: Rheinische Ausgrabungen Band 19 - Beiträge zur Urgeschichte des Rheinlandes III, Köln. 53-190.
Gawel R.P. u. Weiner J. (2010): Einzigartig im Rheinland! Eine Pfeilspitze aus getempertem Feuerstein. In: Archäologie im Rheinland 2009, Stuttgart. 50-53
Weiner J. (1985): Die Verbesserung der Bearbeitungseigenschaften von amorphen Gesteinsarten durch kontrollierte thermische Behandlung. In: Mittbl. Arch. Venatoria 9, 39-47
Weiner J. (2006): Eine übergroße "Pfeilspitze" aus Königsdorf. In: Archäologie im Rheinland 2005, Stuttgart. 41-42
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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