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Mit dem Beginn der Metallzeiten endete die

Kombinationen verschiedener Unterlieger- und Läufersteine

Typologie

Es ist nicht einfach und auch nicht immer möglich, aus der Form eines Mahlsteines auf die Funktion als Läufer oder Unterlieger rückzuschließen. Bei großen Steinen über 30cm Länge mit einer sattelförmigen Mahlfläche wird man von einem Unterlieger ausgehen können. Steine gleicher Form, die aber wesentlich kleiner sind, muß man als Läufer einordnen. Dazwischen befindet sich eine unbestimmbare Grauzone. Es ist mir, auch bei vergrößerter Betrachtung, nicht gelungen, Kratzer auf Mahlflächen zu entdecken, die auf eine Vorzugsrichtung bei der Arbeit hindeuten würden.
Aus der Form der gefundenen Mahlsteine kann man drei Typen ableiten (Kegler-Graiewski N. 2007).
Beim Typ 1 ist der Läuferstein länger als der Unterlieger breit. Die Enden des Läufers stehen also seitlich über und werden deshalb weniger abgenutzt. Läufersteine mit diesem Merkmal kann man ganz eindeutig als solche bestimmen. Sie kommen auf bandkeramischen Fundplätzen der Region recht häufig vor. Die Seitenkanten der zugehörigen Unterlieger können Schliffspuren oder Verrundungen aufweisen.
Mahlsteine vom Typ 2 besitzen einen Läufer, der etwa so lang ist, wie der Unterlieger breit. Kleinere Steine mit relativ ebener Fläche sind also Läufer des Typs 2. Bei Unterliegern dieser Form bleibt auch deren Fläche gerade.
Unterlieger vom Typ 3 sind breiter als der Läufer lang. Im Laufe der Zeit bildet sich im Unterlieger eine muldenförmige Vertiefung. Mahlsteine dieses Typs sind im Rheinland offensichtlich selten. Ein Exemplar mit einer tiefen, lang-schmalen Mulde habe ich noch nicht gefunden. Kleine Unterlieger mit runden Mulden kommen dann und wann, besonders an jungneolithischen Fundstellen, vor.

Mahlsteine werden in Afrika bis heute benutzt

Mahlsteine im neolithischen Alltag

Mahlsteine hatten im Inventar eines neolithischen Haushaltes eine überragende Bedeutung. Auf ihnen wurde nicht nur Getreide zu Mehl gemahlen, auch andere Stoffe wurden gerieben oder gequetscht. Die massiven Unterlieger waren in einem Haus, das in der von Natur aus steinfreien Lößbörde gebaut war, die einzigen stabilen Widerlager um bespielsweise Nüsse zu knacken oder Markknochen aufzubrechen. Uns ist zwar keine neolithische Speisekarte bekannt, man kann aber getrost davon ausgehen, daß es Gewürzpasten nach Art der italienischen Pesto gab - ein weiterer potentieller Einsatzfall für eine Schiebemühle.
Sogar die Bibel berichtet über die außergewöhnliche Wichtigkeit von Mühlen. In 5. Mose 24, 6 steht geschrieben: "Man soll nicht Mühle [Unterlieger] noch Mühlstein [Läufer] pfänden; denn wer das tut, pfändet das Leben."
Starben weibliche Mitglieder der Gemeinschaft, so wurden ihnen häufig Mahlsteine als Grabbeigabe mit auf die letzte Reise gegeben. Nicht selten finden sich auf diesen Steinen Spuren zerriebenen Hämatits, vielleicht ein Bestattungsritus.

 



Beispiele von Unterlieger / Läufer - Kombinationen

Paare von Unterliegern und Läufern, die einst zusammengehörten, wird man als Sammler kaum finden können. Auf den folgenden Bildern möchte ich aber doch "komplette" Mühlen zeigen, auch wenn die Komponenten nicht paßgenau aufeinander liegen.

Eine Schiebemühle vom Typ 1. Dieses Querschnittsbild soll verdeutlichen, wie weit der verschlissene Läuferstein seitlich über die Kante des Unterliegers ragt. Ich habe bis jetzt leider nur zerbrochene Läufer vom Typ 1 gefunden. Die Funde stammen von einer bandkeramischen Siedlungsstelle.

 

Schiebemühle vom Typ 2. Der Läufer ist so lang wie der Unterlieger breit. Auch diese Funde sind bandkeramisch.

 

Dieser Unterlieger mit muldenförmiger Fläche stammt genau wie der fast würfelförmige Reibstein von einer jungneolithischen Fundstelle. Der Unterlieger besteht aus sehr rauhem Sandstein und die Mahlfläche ist nicht glatt, aus diesem Grund interpretiere ich ihn als Mahlstein und nicht als Schleifwanne. Das Ensemble repräsentiert in etwa den Typ 3 der Schiebemühlen.

 

Mahlstein-Unterlieger

Vollständige Mahlsteine finden sich nur selten auf den neolithischen Siedlungsstellen. Gerade die großen Unterlieger störten doch sehr bei der neuzeitlichen Landwirtschaft. Sie sind im "steinarmen" Rheinland nach dem Hochpflügen wahrscheinlich in Fundamenten verbaut oder als Befestigungmaterial in die Wirtschaftswege entsorgt worden. Die unzerbrochenen Exemplare, die man findet, werden erst beim tiefergehenden Pflügen mit modernen, starken Landwirtschaftsmaschinen ans Tageslicht gekommen sein.

Ein Unterlieger aus Eschweiler Kohlensandstein. Der Mahlstein ist 36 cm lang und hat ein Gewicht von 8 kg. Die Fundstelle ist bandkeramisch. Vielleicht handelt es sich um einen Verwahrfund. Der Stein wäre durchaus noch zu gebrauchen und die Mahlfläche ist frisch aufgepickt.

 

Diesen Unterlieger habe ich so fotografiert, daß die Gestaltung der Mahlfläche deutlich dargestellt wird. Die Schieberichtung ist konkav und die Querrichtung konvex geformt. Den Stein fand ich nach drei Jahren an der gleichen Stelle wie der im vorhergehenden Bild gezeigte.
Das Stück ist 40 cm lang und wiegt 7,5 kg.

 

Bruchstück eines großen Unterliegers, hergestellt aus einem Konglomerat. Die Fundstelle ist mittel- oder altneolithisch geprägt.
Die Breite des Stücks ist 28 cm, die Länge des kompletten Mahlsteines dürfte einmal zwischen 50 und 60 cm betragen haben.
Der Stein wiegt 6,1 Kg.

 

Mahlstein-Läufer und Reibsteine

Vollständig erhaltene Läufersteine findet man noch seltener als komplette Unterlieger. Offensichtlich wurden sie wirklich so lange benutzt, bis sie zerbrachen. Besonders wird das bei Läufern, die zu Schiebemühlen vom Typ 1 gehören, deutlich. Der mittlere Bereich ist meistens sehr dünn, wogegen die Ränder noch fast die ursprüngliche Dicke haben.

Zwei Läuferbruchstücke vom Typ1, hergestellt aus EKS.

 

Das ist die Oberseite eines der beiden im vorigen Bild gezeigten Läufersteine. Man kann sehr gut den Handgriffglanz erkennen. Der Stein ist nicht aus einem verrundeten Geröll hergestellt, die blankgewetzten Stellen künden vom intensiven Gebrauch der Mühle.

 

Ein verbrauchter Läuferstein vom Typ 2. Die Seiten hängen nicht über, also war der Unterlieger genau so breit oder breiter als der Läufer lang. Bei einer Länge von 180 mm ist das Stück nur noch 35 mm dick. Das Material ist ein verhältnismäßig feinkörniger, quarzitisch gebundener Sandstein, kein EKS.

 

Drei Reibsteine, hergestellt aus Sandstein. Sie stammen von jungneolithisch geprägten Plätzen. Fast immer haben diese Geräte eine rundliche, zum Würfel tendierende Form.
Der größte Stein hat einen Durchmesser von 70 mm.

 



Literatur:

Kegler-Graiewski N. (2007): Beile - Äxte - Mahlsteine. Zur Rohmaterialversorgung im Jung- und Spätneolithikum Nordhessens. Dissertation, Köln 2007
Weiner J., Schalich J.(2006): On Potential Bandkeramik Millstone Quarries In The Rhineland. In: Stone Age - Mining Age - Der Anschnitt, Beiheft 19, 2006
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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