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Artefaktfotografie

Eine Zeichnung lesen

Ausrüstung, Low-Budget-Studio

Einfaches Dokumentationsfoto

Darstellung in mehreren Ansichten

Darstellung als Animation

 

 

 

Fotografieren von Artefakten, einfache Objektfotografie

   
Von Joseph Beuys stammt der Satz, daß jeder Mensch ein Künstler sei. Das mag für Happening, Fluxus oder sonstige Arten der Aktionskunst gelten, nach meiner Erfahrung gilt es für die Zeichenkunst nicht!
Wer als künstlerisch Unbegabter trotzdem seine Funde präsentieren will, sei es zum Zwecke der Publikation oder einfach nur zur Dokumentation, dem bleibt die Möglichkeit, seine Sammlungsstücke zu fotografieren. Dank qualitativ hochwertiger Digitalkameras, die auch nicht mehr übermäßig teuer sind, stehen dem Amateur viele Wege offen.

Die Kamera

Mit digitalen Kompaktkameras kann man heutzutage zwar auch recht gute Bilder machen, trotzdem bevorzuge ich eine digitale Spiegelreflexkamera. Die größeren Bildwandlerchips in diesen Geräten lösen besser auf als die wesentlich kleineren Chips der Kompaktkameras. Auch haben selbst die einfachen Standardobjektive von Spiegelreflexkameras eine höhere Qualität als die von Kompaktkameras. Das macht sich besonders bei der Bildgeometrie bemerkbar. Spezielle Makroobjektive benötigt man nicht, die zur Grundausstattung der Kameras gehörenden "Kit-Objektive" ermöglichen Darstellung im Maßstab von etwa 1:4.
Ich selbst arbeite mit einer Canon EOS 500D und einem Objektiv EF-S 18-55 mm, das einen größten Abbildungsmaßstab von 0,28 ermöglicht. Der in der Kamera verbaute Sensor ist 22,3*14,9 mm² groß, das sogenannte APS-C - Format. Somit kann man ein Objekt von 80 mm Größe vollformatig, also mit 4700 Pixeln Breite darstellen.
Merke: Eine Spiegelrefelkamera mit 6 Megapixeln Auflösung macht bessere Fotos als eine Kompaktkamera mit 12 Megapixeln.

Freihand oder Stativ?

Wenn es mal ein Schnappschuß oder ein Foto auf die Schnelle sein soll, dann kann man natürlich aus der Hand fotografieren, qualitätvolle Dukumentationsfotos sollte man aber immer mit einem Stativ machen. Nur so kann man die Kamera und das Objekt präzise ausrichten und optimal beleuchten. Sollen die Bilder eine große Tiefenschärfe haben, muß die Blende klein gewählt werden - die Belichtungszeit steigt dementsprechend an. Da geht ohne Staiv garnichts! Zur Auslösung kann man entweder einen Fernauslöser verwenden. Komfortabler geht es mit der zu manchen Kameras gehörenden Fernbedienungssoftware. Zur Not tut es aber auch der Selbstauslöser.

Abbildungsfehler minimieren

Objektfotografie ist keine komplizierte Sache, trotzdem sollte man sich vor der Aufnahme einige Gedanken machen damit das Ergebnis den Erwartungen entspricht. Hier sind also einige Tips:

Perspektivische Verzerrungen entstehen, wenn man im Weitwinkelbereich dem Objekt zu nahe auf die Pelle rückt. Es ist also besser, etwas in den Telebereich zu zoomen. Ideal ist die Normalbrennweite (Maß der Diagonale des Sensorchips. Bei Kleinbildfilm sind das 50mm, bei APS-C etwa 27mm).
Im Makrobereich neigen minderwertige Zoomobjektive zu tonnenförmiger, im Telebereich zu kissenförmiger Verzerrung. Man kann das prüfen, indem man ein Blatt Rechenpapier fotografiert und das Bild auf Geradlinigkeit und Parallelität des Musters kontrolliert.
Mit größerer Brennweite sinkt die Tiefenschärfe.
Mit kleinerer Blende steigt die Tiefenschärfe.
Bei sehr kleinen Blendenwerten kommt es zu der sogenannten Beugungsunschärfe. Optimale Auflösung bekommt man bei normalerweise bei Blenden zwischen 8 und 11.
Wenn man die Kamera auf einen lichtempfindlichen, hohen ISO-Wert einstellt, kann Rauschen entstehen. Das Bild wird körnig. Da wir unsere Artefakte vom Stativ aus fotografieren, haben wir kein Problem mit langen Belichtungszeiten, wir können einen idealen ISO-Wert von 100 oder 200 einstellen.

Faustregeln

Flaches Objekt (geringe Tiefenschärfe): Kamera auf Blendenautomatik (AV), Blende = 8 oder 11, ISO = 100, Zoom auf den Wert eines Normalobjektivs (bei APS-C ist das 27mm).
Hohes Objekt (große Tiefenschärfe): Kamera auf Blendenautomatik (AV), Blende auf 22 oder höher, ISO = 100, Zoom auf maximalen Weitwinkel.

Beleuchtung

Ich benutze zur Ausleuchtung zwei alte Schreibtischleuchten, in die ich Energiesparlampen vom Typ "Philips Tornado ESaver, 23W, CDL865" eingeschraubt habe. Die Lampen erzeugen ein gleichmäßiges, weißes Licht, verbrauchen wenig Energie und werden bei Betrieb nicht warm.
Damit das Licht nicht zu hart ist, habe ich vor den Lampen als einfachen Diffusor Bögen aus Pergamentpapier angebracht. Hierzu eignet sich auch transparentes Butterbrotpapier von der Rolle. Das sollte man aber nur bei Verwendung von Energiesparlampen machen. Konventionelle Glühlampen werden zu heiß, sie könnten das Papier entzünden!
Im Kapitel Zeichnung von Artefakten hatte ich bereits die Regeln zur Orientierung und Ausleuchtung von Artefakten erläutert. In Analogie zu diesen Regeln verfahren wir auch bei der Fotografie.
Die Hauptbeleuchtungsrichtung kommt von oben links. Von vorne oder senkrecht von oben wird das Objekt etwas schwächer mit einer zweiten Lichtquelle zur Aufhellung und zur Vermeidung von Schlagschatten ausgeleuchtet. Man verändert die Entfernung der Lampen zum Objekt so, daß sich die gewünschte Lichtverteilung ergibt.

Schreibtischlampe mit einfachem Diffusor aus Butterbrotpapier



Hintergrund

Bei der Abbildung eines Artefakts sollte die Aufmersamkeit des Betrachters automatisch auf das Objekt gezogen werden. Also sollte der Hintergrund entsprechend dezent gestaltet sein. Ein gleichmäßig dunkler Farbverlauf erbringt nach meinem Geschmack das schönste Ergebnis.

Wenn ein Objekt senkrecht von oben abgebildet wird, genügt als Hintergrund ein entsprechend gefärbtes Blatt Karton.
Fotografiert man hingegen schräg in den Raum, benötigt man einen Hintergrund, der sowohl die waagerechte Ebene, als auch die Senkrechte hinter dem Objekt abdeckt. Gut bewährt hat sich für diesen Fall eine sogenannte Hohlkehle. Die läßt sich mit einfachen Mitteln selbstbauen. Man sollte nicht zu klein planen, damit auch größere Fundstücke, wie z.B. Mahlsteine, fotografiert werden können.

Meine Lösung sieht folgendermaßen aus:
Im Baumarkt habe ich mir einen einfachen Klappbock aus Fichtenholz (ca. 3€) gekauft. Daran habe ich alle überstehenden Teile abgesägt. Nach dem Arbeitsgang bleiben also zwei durch Scharniere verbundene, rechteckige Holzrahmen übrig. Die beiden Sicherungsscharniere, die dafür sorgen, daß man den Holzbock nur bis zu einem gewissen Winkel auseinanderklappen kann, habe ich entfernt und dann so wieder angeschraubt, daß sich ein Öffnungswinkel von knapp über 90 Grad ergibt. Als nächstes werden an die Kopfseiten des Rahmens kleine Holzleisten (Tapetenleiste) geschraubt. Das war's auch schon.
Auch aus dem Baumarkt ist der eigentliche Hintergrund, ein Hartschaumplatte (Hobbycolor, 10€) schwarz mit dem Abmessungen 50 x 100 cm, 3mm stark. Diese Platte läßt sich in den aufgeklappten Rahmen klemmen und ergibt einen Hintergrund mit fließendem Übergang von der Horizontalen in die Vertikale. Bei Nichtgebrauch läßt sich der Rahmen zusammenklappen und platzsparend verstauen.





Ich habe den Feuersteinquader mal auf die Schnelle aus der Hand fotografiert. Daten: 1/50 sec, f:9, ISO 1600



Im nächsten Kapitel bescäftigen wir uns mit der Herstellung einfacher Dokumentationsfotos, also damit, wie man schnell und problemloa Artefakte zurDokumentation ablichtet.
   
   
   
   
 

 

 

 
     

 

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