Lousberg-Feuerstein

Das Material stammt vom Aachener Lousberg, der am nördlichen Stadtrand als freistehender, steiler Hügel aus dem Aachener Talkessel herausragt. Das Plateau des Lousbergs war einst von einer annähernd 6m dicken Kalkplatte bedeckt, von denen die obersten 4,5 m abbauwürdige Feuersteinlagen enthielten. Diese feuersteinführenden Schichten wurden komplett abgebaut und übrig blieb die sterile Basis des Vetschauer Kalks über den Vaalser Grünsanden (R. Walter 2010). Heute stellt sich die Oberfläche des Lousbergs als hügelig geprägte Kleinlandschaft dar, das sind die Abraumhalden des ehemaligen Tagebaus (J. Weiner 1998). Auf der Fläche und an den Steilhängen lassen sich Abschläge aus Feuerstein finden, Abfälle der damaligen Produktion. Aus dem 14C Daten der am Lousberg im Abraum gefundenen organischen Artefakte ergibt sich eine Laufzeit des Bergwerks zwischen mindestens 3300 v. Chr. bis 3100 v. Chr. und höchstens 3500 v. Chr. bis 3000 v. Chr. Wahrscheinlich setzt der Abbau jedoch früher ein, da zu Anfang der Abraum den Hang hinab entsorgt wurde. Aus Berechnungen, die das Gesamtvolumen des Abraumes, das Gewicht der vorhandenen Feuerstein-Produktionsabfälle pro Volumeneinheit Abraum und das durchschnittliche Gewicht von Beilklingen-Halbfabrikaten ins Verhältnis setzen, ergibt sich eine Gesamtzahl von etwa 300000 Beil-Rohlingen, die den Lousberg verlassen haben (Schyle 2006).

Ein weiteres Vorkommen ist vom Oberhang des Schneebergs bei Vaals bekannt, dieses ist nach heutigem Kenntnisstand in der Steinzeit nicht abgebaut worden. (Weiner J. 1997)
Durch seine auffällige Färbung ist Lousberg-Feuerstein leicht und eindeutig zu identifizieren und bietet sich als Studienobjekt zur geographischen Verbreitungsforschung von Beilklingen einer "Marke" an. Auf rheinischen Fundplätzen sind Lousberg-Beile natürlich häufig vertreten, es gibt aber auch Funde in Niedersachsen, Luxemburg und in den westlichen Niederlanden.
Lousberg-Feuerstein kommt in Platten oder Fladen bis 8cm Dicke vor. Er ist opak und häufig zweifarbig. Die äußeren, rindennahen Bereiche sind schokoladenbraun, die Färbung stammt vom Kontakt mit eisenhaltigen Wässern. Der Kern ist grau, scharf von der braunen Zone abgesetzt. Der frisch geschlagene Stein hat eine matte Oberfläche, geschliffene Stücke sind seidenmatt, kaum glänzend. Die Rinde ist dünn, rauh, scharf vom Feuerstein abgesetzt und eben. Bei manchen Stücken sind im Flint punktförmige Einschlüsse, ähnlich denen bei Rijckholt-Feuerstein zu beobachten.
Aus Lousberg-Flint wurden fast ausschließlich Beilklingen hergestellt. Ich kenne nur eine Fundstelle, an der Lousberg-Feuerstein auch in Form von größeren Abschlägen und daraus gefertigten Kratzern und Klopfsteinen vorkommt.

Ein Abschlag aus typischem Lousberg-Feuerstein

Typisch sind auch die weißlichen runden Einschlüsse

Beilklinge aus der glasigen Variante des Lousberg-Feuersteins

Beilklinge aus Lousberg-Feuerstein

Literatur:

Schyle D. (2006): Die spätneolithische Beilproduktion auf dem Lousberg in Aachen. In: Archäologische Informationen 29/1&2, 2006, 35 - 50
Schyle D. (2010): Der Lousberg in Aachen - Ein jungsteinzeitlicher Feuersteinbergbau mit Beilklingenproduktion. In: Rheinische Ausgrabungen Band 26, Mainz
Walter R. (2010): Aachen und die nördliche Umgebung. In: Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart, 114 - 117
Weiner J. u. Weisgerber G. (1980) D3 Die Ausgrabungen des jungsteinzeitlichen Feuersteinbergwerks "Lousberg" in Aachen 1978 - 1980. Ein Vorbericht. In: Weisgerber, Slotta, Weiner (Hrsg.) 5000 Jahre Feuersteinbergbau, Bochum, 92-119.
Weiner J. (1998): Der Lousberg in Aachen, Feuersteinbergbau vor 5500 Jahren. Rheinische Kunststätten Heft 436, Köln

Weisgerber, G., Slotta, R. and Weiner, J. (eds). 1980. 5000 Jahre Feuersteinbergbau: die Suche nach dem Stahl der Steinzeit.  Bochum,  Deutsches  Bergbau-Museum. Veröffentlichungen  aus  dem  Deutschen  Bergbau-Museum 77. Stelle  D 3